Zum Glück hatte niemand von unserem Ausritt etwas mitbekommen. So konnten wir unbemerkt unsere Pferde absatteln und auf die Wiese bringen. Um zwei Uhr am Nachmittag werden nun auch Mason und André wach. Als erstes Frühstücken wir zusammen und putzen späten Nachmittag unser Sattelzeug. Ich flechte Black Rose noch Zöpfe in die Mähne, aber für Jeany reicht die Zeit nicht mehr, denn plötzlich hören wir schreie aus Omas Anbau. Mama und Papa laufen aus Panik unkoordiniert durcheinander. Ich habe noch nicht ganz verstanden was los ist. Mama weint und Papa ruft hektisch jemanden an. Er nennt unsere Adresse und fragt immer wieder etwas nach, weil er es nicht verstanden hat. Mason ist nun auch von Panik überfallen und als ich ihn frage, was los sei, meint er ich soll ruhig bleiben und am besten im Stall auf ihn warten. „Kann mir jemand mal erklären was hier vorgeht?“ Ich sehe Mason, André und Laura fragend an.
„OK. Bleib ganz ruhig ich werde versuchen es dir zu erklären“ sagt Mason mit leicht zitternder Stimme.
„ Also deine Oma hat einen…äh…leichten…vielleicht auch etwas schweren…äh…Schlaganfall.“
Ich sehe wie alles vor meinen Augen schwarz wird und höre noch Stimmen die hektisch um mich herum schreien.
Als ich aufwache, liege ich in meinem Bett und als ich die Tür öffne, steht, zu meiner Überraschung, André davor.
„Was machst du denn hier?“ frage ich erstaunt.
„Mason sagte ich soll hier warten und nachkommen, sobald es dir besser geht.“ sagt er zu meiner Überraschung. Wieso sagt Mason zu André, dass er vor meiner Tür stehen soll und wieso tut der sonst so störrische André das auch noch? Nur eines steht leider fest. Oma hatte wirklich einen Schlaganfall, es war nicht nur ein Traum.
Kaum waren wir im Krankenhaus angekommen, kam mir Mason entgegen.
„Warte Lena, wie wäre es, wenn wir mal raus gehen?“ fragte er mit einem Vermutlich ungewollt besorgtem Blick. Es muss etwas geschehen sein, womit sie mich nicht belasten wollen, stattdessen versuchen mich abzulenken.
„Mason,“ sage ich ernst und leicht sauer „ ich bin hier, um zu erfahren wie es meiner Oma geht und nicht um in den Krankenhauspark zu gehen. Bitte versteh mich und lass mich vorbei, bevor ich noch auf dumme Ideen komme“
Nun sah er mich erstaunt an und fast hätte ich angefangen, auch wenn es gar nicht zur Atmosphäre passt, zu grinsen.
Ich ging also an ihr vorbei und stürmte zu Omas Zimmer. Meine Eltern, Laura und Sebastian saßen davor und selbst die Eltern meiner Freunde, Anna, Ben ist Lauras Bruder, Johanna ist 2 Jahre jünger als ich und ist Masons Schwester. Masons Mutter kommt Ursprünglich aus Amerika sein Vater ist Deutsch. Ich bin ganz Deutsch, das glaube ich zumindest. Natürlich kann es sein, dass ich irgendwo ausländische Vorfahren habe aber ich spreche leider nur Deutsch, Englisch und Französisch kann ich nur halb aus dem Unterricht. Andrés Vater ist Pole oder die Oma kam aus Polen.
Mama sitzt auf der Bank gegenüber vom Zimmer und weint. Laura mein Vater und alle Anderen versuchen ihr Hoffnung zu machen, aber sie hört nicht auf zu weinen. Ich ertrag es nicht meine Mutter am weinen zu sehen. Nachdem sie ihren Vater verloren hatte sie zwei Wochen danach kaum geredet. Sie ist zur Arbeit gegangen hat manchmal, wenn Papa nichts gekocht hatte gekocht, hat das übliche, was so an Rechnungen anstand erledigt und ist schlafen gegangen. So etwas ertrage ich nicht noch einmal.
Auf dem Weg nach draußen kommen mir Mason und André entgegen. Sie haben aus der Kantine Kakao und Kaffee mitgebracht, als sie mich aber mit total verheulten Augen sahen waren sie doch ein wenig erschrocken. Aber das konnte man sich bei mir doch denken. Ich kippe schnell mal um fange bei Kleinigkeiten an zu heulen und habe oft mal schlechte Laune. Ich komme mir oft hilflos vor und fühle mich häufig schwach. Das alles wussten sie, trotzdem sahen sie mich erschrocken an.
Ich beachtete sie einfach gar nicht und ging schnell an ihnen vorbei.
Im Park setzte ich mich auf eine Bank an einem kleinen Teich. Ich sah auf den Teich und meinen Gedanken lies ich freien Lauf. Ich dachte daran was Oma passieren könnte, was ich nach Omas Tod machen könnte, was ich jetzt machen sollte, was ich gemacht habe, wie es mir geht –
„Hi“ ich schreckte hoch und setzte mich wieder auf die Bank. Mason war gekommen. Ich fand eigentlich keinen Grund, doch! Allein die Tatsache, dass wir gute Freunde waren, genügte doch schon oder?
„Was hat der Arzt gesagt?“ frage ich mit zitternder Stimme.
„Oh Lena, ich dachte du wüstest es und bist deswegen weinend rausgegangen.“ er klang traurig und jetzt hatte ich erst recht Angst. „Er sagte, dass es eine Chance auf Heilung gibt, es könnte aber nicht alles geheilt werden. Wenn du willst kannst du deine Oma besuchen, sie ist wach.“
Nein! Das würde ich nicht tun. Ich habe Angst und ich ertrage den Anblick nicht. Nein das kann ich nicht.
Wir saßen schweigend nebeneinander. Auf dem Teich schwammen Enten und am Rand saßen Frösche. In der Mitte des Teiches war eine wunderschöne Seerose. Sie blüht weiß, wie die Hoffnung. Ich hatte Hoffnung, ganz tief in meinem Inneren. Nach einer Weile wurde es dunkel und Mason stand auf.
„Komm, es wird Zeit, lass uns rein gehen und anschließend nach Hause fahren.“
Ich raffte mich auf. Eigentlich hätte ich den ganzen Abend da sitzen können, aber er hat recht wir müssen morgen zur Schule.
Mama hatte darauf bestanden im Krankenhaus zu bleiben. Wir waren alle nach Hause gegangen. Laura würde heute bei uns bleiben. Ich freute mich schon auf die Schule.
Mai 24th, 2014 at 19:43
So eine geniale Geschichte *-*