„Na, dann will ich mal nicht weiter stören!“ leise schließt sie die Tür hinter sich und Jayden kommt unter dem Bett hervor:“Das war knapp!“ zu knapp! „Ska, ich glaub ich muss gehen! Aber hier, ich hab dir dein Handy mit gebracht!“ Er legt es mir auf meinen Nachttisch und verschwindet wieder aus dem Fenster. Ich fühle mich beschissen. Der Gedanke ihn bei mir haben zu können, wenn ich nicht in der Psychatrie gelandet wäre, ist Welten zerstörend. Ich würde mich am liebsten im Kissen ersticken! Ich probiere es sogar, obwohl ich weiß das ich nicht sterben will und mich selbst auch nie umbringen könnte. Ich lasse meinen Kopf im Kissen vergraben. Ich nehme das Handy vom Nachttisch, wobei ich alles andere herunter auf den Boden befördere, da ich mein Kopf und so mit auch meine Augen im Schutz des feuchtem Kissen habe. Ich drehe mich auf den Rücken, drücke auf ´Jayden´ und ´SMS´ und tippe ein:
Ich sterbe
Eigentlich will ich nicht das er sich Sorgen macht, aber ich glaube er versteht, dass ich sterbe weil er nicht mehr da ist und nicht weil ich in einer Psychatrie bin. Ich will gar nicht wissen was er antwortet, es wird eh nicht perfekt sein. Er wird so etwas schreiben wie warum? Oder Soll ich den Notarzt rufen? So wie alle Jungen es tun, im Schlimmsten Fall schreibt er oh. Ich hätte es nie abschicken dürfen! Ich umarme mein Kissen, es tröstet mich aber wenig, da das Kissen feucht ist und voller Mascara. Und ich dachte so wäre das nur in Filmen! Ich schmeiße das Kissen durch das Zimmer, meine Trauer verwandelt sich langsam, aber definitiv, in Wut. Ich zerfetze das Kissen, so wie ich zerfetzt wurde. Erst unmerklich, doch dann alles auf einmal, als es die zwei Hälften nur noch von einer Schnur zusammen gehalten werden, durchtrenne ich auch sie mit Vergnügen. Das aus zwei Stücken bestehende Kissen tut mir schon fast ein wenig leid, es ähnelt mir so sehr. Genau so würde ich aussehen, wenn man mich von innen sehen könnte. Ich verstaue es im Nachttisch und lege mich Kerzen grade auf die Matratze. Meine Augen sind geschlossen, ich beruhige mich langsam. Ich werde ihn wieder sehen, ich werde wieder nach Hause kommen. Alles wird gut. Mein Handy piepst. Will ich sie wirklich lesen? Ich will nicht, aber schließlich muss ich einfach. Ich schiebe es auf Fred.
Ich auch.
Das hätte ich wohl kaum erwartet! Wie wunderbar er doch ist. Ich bekomme Hoffnung, ihn wirklich geküsst zu haben. Wirklich von ihm geliebt zu werden. Schlagartig verwandelt sich meine Wut wieder in Traurigkeit und so weine ich mich, am meinem ersten Tag in der Klapse, in den Schlaf.
Ich küsse ihn. Wir liegen zusammen in meinem Bett. Er stößt mich weg:“Lass mich! Mit einer Behinderten will ich nichts zu tun haben!“ Ich dachte er liebt mich… Ich weine leise, während er mir zu guckt. Arsch. Doch dann nimmt er mich in den Arm, ich schaue in sein Gesicht und sehe den Teufel: „AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA………..“
„AAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH“ sofort steht die nette Schwester neben mir:
„Alles gut, nur ein Alptraum!“ versucht sie mich zu trösten. Nichts ist gut.
„Ja, ist wieder okay!“ Lüge ich sie an. Meine Augen beäugen die Uhr: Sechs. Ich beschließe weiter zu lesen, sobald die etwas aufdringliche Schwester, die gerade meine Schulter streichelt, raus geht.
Es ist das letzte Kapitel von diesem fabelhaftem Buch. Ich will jeden Buchstaben in mich einsaugen, ich will alle Worte genießen, doch meine Augen lesen die Zeilen viel zu schnell und so ist das Buch viel zu schnell vorbei. Der letzte Satz ist so Herz zerreißend wie es sich gehört:
So werde auch ich mich ihnen anschließen. Hier auf der toten Straße werde ich eingeholt.
Als ich das Buch erst mal auf das Tischchen lege, verschwindet es aus meiner Hand, aber auch aus meinem Kopf. Sofort sind meine Gedanken wieder bei Jayden, es ist schwer zu beschreiben, ich fühle mich so falsch wenn er nicht bei mir ist. Ich will und kann nicht mehr an ihn denken, doch wenn ich es nicht tue, habe ich Angst, das er auch nicht mehr an mich denkt und mich vergisst. Mir kommt der Zettel mit den Terminen wieder in den Kopf, heute um sieben Uhr Sport. Ich hab nur noch eine halbe Stunde.
Ich will hier kein Selbstlob äußern, es ist nicht grade so, als wenn ich mich sehr schätze, nein, ich verachte mich eher, trotzdem sehe ich von allen die beim Sportkurs sind, weit am besten aus. Ich bin fünf Minuten früher da, also stehe ich dumm rum, genau wie alle anderen. Nur der Unterschied ist: Die anderen stehen in Grüppchen. Ich stehe da also alleine, um mich herum fünf dreier Grüppchen. Nach scheinbaren zwei Ewigkeiten, kommt endlich der Lehrer. Ich ändere mein Statement noch mal: ER sieht mit Abstand am besten aus! Umwerfend! Kurze braune Haare, strahlend blaue Augen und super schön gebräunt! Natürlich sieht er nicht so gut aus wie Jayden! Ich beiße mir auf die Zunge, ich wollte doch aufhören den ganzen Tag an ihn zu denken! Der Sport besteht größten Teils aus dehnen und Kraftübungen, warscheinlich weil es Morgensport ist. Ich langweile mich beim dehnen und über nehme mich bei den Kraftübungen. Anstatt nur drei Liegestützen mache ich fünf und bleibe länger in der Luft hocken als die anderen. Ich mache es, weil es mich ein wenig befreit, klarer Kopf und so. Ich denke zwar nach, aber nicht mehr über so dumme Sachen wie: Bin ich hier richtig? Was ist mit Jayden, Lyn, Kyla? Wer muss ich sein und wer bin ich?Jetzt denke ich über normales Zeugs nach, denn ich weiß, ich bin nicht ohne Grund hier und, selbst wenn sich meine Freunde sorgen machen, mich vergessen oder nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, was soll ich Jetzt dagegen machen?! Ich bin hier. Und anstatt über die Vergangenheit nachzudenken, sollte ich zusehen das ich hier heraus komme und mir Zuhause ein neues Leben aufbaue. Ich fange an Pläne zu machen: Niemandem mehr erzählen wenn es mir scheiße geht?! Sagen ich hätte keine Halluzinationen mehr?! Habe ich ja auch kaum noch! Aber, wenn ich auf gesund tue, dann nach Hause komme und es wieder schlimmer wird? Wenn ich Schizophrenie habe? Ich werde mir einfach Mühe geben! Ich werde mich der Selbsthilfegruppe mitteilen, meinem Therapeuten öffnen und viel Sport machen, genauso wie viel gesundes essen. Der Sport endet um acht, so habe ich noch eine Stunde Zeit bis es Frühstück gibt. Ich führe meine Liste an meiner Zimmerwand einen Stichpunkt fort:
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hartnäckig
Ich mache mein Bett, lege das Buch in den Nachttisch, räume ein paar Klamotten die mir meine Eltern gebracht haben in den Schrank ein, mache das kalte Licht aus und ziehe die Rollläden hoch. Es ist ein wunderschöner sonniger Tag. Ich lasse meine Sportsachen einfach an und kletter aus dem Fenster. Fuck! Mein Zimmer liegt höher als ich gedacht habe. Ich kletter vorsichtig aber denn noch relativ schnell, da ich unter Zeitdruck bin, ich will schließlich noch frühstücken! Mit meinen Laufschuhen erkunde ich die Gegend: Ziemlich am Arsch der Welt! Hier fühle ich mich wohl! Dort wo die Arschritze beginnt und niemand mehr hingeht fühle ich mich Zuhause. Niemand sieht mich wie ich anfange durch den Park vor der Klinik zu joggen. Es ist so ein tolles Gefühl! Ich bin jung und frei. Außer, dass ich eigentlich gar nicht raus darf. Aber wenn man Freiheit nicht bekommt, holt man sie sich eben. Ich verliere mich in meinen rosa roten Gedanken, das ich gar nicht bemerke wie die Zeit vergeht. Als ich endlich mal auf mein Handy schaue, rennen meine Füße wie von alleine zurück, jetzt wirken auch meine Hände mit, als ich wieder in mein Zimmer hoch klettern will. Doch welches von den tausend rechteckigen Fenstern ist meines? Ich versuche es mit einem eher mittigem, doch es sitzt ein Mädchen mit Buch in der Hand drin, ich kletter weiter nach rechts. Bei dem nächsten Fenster steht ein traurig aussehendes Mädchen am Fenster, als sie mich sieht schreit sie laut auf. Ich klettere hysterisch zu einem weiter oben, ich sehe einen Jungen Kopf darüber einen knutschenden Mädchenkopf. Ihh, sieht das pervers aus! In Eile klettere ich noch höher und weiter links, niemand ist im Zimmer, es sieht aus wie mein Zimmer! Fred sei Dank! Meine Tür wird aufgerissen und eine wütende Schwester kommt hinein, doch als sie sieht, wie ich verschlafen die Augen öffne, verwandelt sich ihr Gesicht in eine Tomate:“Oh, Entschuldigung! Ein Mädchen hatte dich beschrieben,, wie du vor ihrem Fenster hingst… Und..“ ich gucke sie gespielt verwirrt und mit Froschaugen an. Sie fährt fort, während sie zur Zimmertür geht:“Da dachten wir du wolltest weglaufen..“ Sie schließt die Tür vorsichtig und ohne Verabschiedung. Auf die Idee wegzulaufen bin ich noch gar nicht gekommen.Ich dusche mich schnell, ziehe mich an, Schminke mich und gehe in den Essaal. Wie gestern auch schon setze ich mich neben Ben:“ Hi“ er grinst sein breites Lächeln, ich stelle ihm eine Frage und er antwortet:“ Nichts, aber was willst du denn hier machen?“
„Hier?!“ frage ich und bin mir sicher, meine Augen funkeln dabei. Dann stehe ich auf und hole mir Brot. Er tippt auf meine Schulter:“Du willst doch nicht etwa…“
„Doch“ unterbreche ich ihn „Und zieh was Schönes an!“
Der Tag ist schnell vorbei und ich verbringe die meiste Zeit davon vorm Spiegel. Ich weiß nicht warum es mir so wichtig ist, aber ich will gut aussehen heute Abend. Nach dem Abendbrot komme ich zur Finalen Entscheidung: Das zart grüne oder blaue Kleid? Ich entscheide mich für das blaue, da ich mir dann die Lippen mit meinem neuen Lippenstift einschmieren kann. Meine roten Locken bändige ich mit ein Paar klammern und Haargummis, so das nur eine gewollte Strähne an meiner rechten Wange hinab hängt. Ich stelle einen Stuhl vor meine Zimmertür,nehme meine JB-Pille und steige mal wieder aus dem Fenster. Unten angekommen sehe ich Ben, wie er mit großen Augen da steht:“Man Ska! Ich hab Höhenangst!“ Oh, wie süß! „Wie hast du es dann hier herunter geschafft?“ frage ich mit wirklich großem Interesse. „Na, ich hab mich zusammen gerissen und bin mit Schwindel halb runter gefallen, aber nicht so schlimm!“ Er streckt mir seinen Arm entgegen, ich weiß nicht, soll das jetzt eine Aufforderung zum Händchen halten sein? Jetzt erst fällt mir auf, das er mir die Schürfwunde an seinem Arm zeigen will.
„Oh, das tut mir echt leid!“
„Schon okay… Siehst übrigens echt toll aus!“ meine Wangen glühen.
„Danke, du aber auch!“ er trägt eine dunkle Jeans und drüber ein weißes Hemd. Seine Haare hat er versucht zu gelen. Süß. Er sieht einfach bezaubernd aus. Stopp! Ich liebe Jayden! Ich finde Ben nur nett und gut aussehend, mehr nicht! Wir laufen durch den Park und reden über alles mögliche und für diesem Moment, fühle ich mich total normal. Langsam wird es dunkel und der leichte Wind singt ein so schönes Lied.
„Tanzen wir?“ fragt er mich hoffnungsvoll
„Hier?“ Frage ich verwirrt, denn hier ist nichts.
Er antwortet nicht, sondern legt seine Hand an meine Hüfte, ich lege meine Hand auf seine Schulter, die übrige Hand, hält die von Ben. Sie ist angenehm kühl. Wir tanzen und lachen und sind kein bisschen geistig verwirrt. „Ich…“ ich will ihm von meinem Freund erzählen, doch da fällt mir ein, dass Jayden und ich gar kein Paar sein, warscheinlich liebt er mich gar nicht. Und jetzt habe ich diesen unvollendeten Satz, natürlich will er wissen was ich sagen wollte, doch ich finde keine gute Antwort:“Ich fühle mich gut“ sage ich und bin sogar ganz zufrieden damit, doch dann schaut er mir ein wenig zu lange in die Augen bevor er sagt:“Ich auch“ ich will etwas erwiedern, doch er lässt mich nicht. Seine Lippen sind wundervoll weich. Um uns herum verschwimmt alles, ich fühle mich geborgen, wie ich es sonst nur bei…
„Ska?“ sofort löse ich mich von Ben.
„Jayden!“ rufe ich hysterisch, als er mir den Rücken zu dreht und geht, das einzige was bleibt ist ein Buch auf dem Boden. Ich fange an zu weinen, den verwirrten Ben lasse ich einfach stehen.
Ich umarme mein Buch so fest, dass es schwer ist die Wand hoch zu klettern. Im Zimmer angekommen lege ich mich aufs Bett. Es kommt mir vor als wären meine Traurigen Gefühle so schwer, dass die Matratze unten durch hängt. Warum hat Ben mich geküsst und warum habe ich den Kuss erwidert? Liebe ich ihn jetzt? Nach nur einem Tag?! Ich kenne Ben viel zu kurz und Jayden viel zu lang, Ben könnte als Bekannter durchgehen und Jayden als mein bester Freund. Und ich als mieses Mieststück.
August 21st, 2014 at 18:33
:'( Wie kannst du mir das antun?!?!?!
Oktober 3rd, 2014 at 1:44
is nicht so schwer 😀