Langsam wird es kalt draußen. Es ist dunkel und es gibt keine Laternen. Ich sehe rein gar nichts. Sebastian hat aber auch an eine Jacke gedacht und an drei super helle Taschenlampen.
„Was machen wir eigentlich hier? Also, warum sind wir im Wald, wo wir eh kaum etwas sehen und nicht im schönen warmen Bett liegen und schlafen, damit wir morgen in der Schule nicht müde sind?“
„Weil es cool ist.“ Das ist mal wieder typisch Sebastian.
„Gut, dann wünsche ich euch noch viel Spaß, Jeany und ich gehen nach hause.“
„Du kannst doch nicht einfach alleine durch den Wald reiten.“ Na, da ist ja meine super fürsorglicher Bruder.
„Wieso nicht? Meinst du ich komme nicht alleine klar, weil ich ein Mädchen bin? Na dann kannst du mal sehen, dass ich sehr wohl alleine nach hause gehen kann. Wir sehen uns morgen früh. Gute Nacht.“ Ich drehe Jeany um, und gehe den Weg nach hause. Nach zehn Minuten reitet neben mir Mason.
„Na, willst du nicht cool sein?“ frage ich ihn und mache mich gleichzeitig über Sebastian lustig.
„Nein, es ist eigentlich so, ich wollte dich schon eine ganze Weile etwas fragen. Also…“
„Jetzt spuck es schon aus! Ich werde dir schon den Kopf nicht abreißen.“
„Es ist so, dass mein Onkel aus Amerika mich gefragt hatte, ob ich nicht in den Sommerferien zu ihm kommen will. Ich habe gefragt, ob ich meine Freunde mitbringen kann, aber er sagte, ich sollte nur einen mitbringen. Ich musste an dich denken, weil…ehm…ja…..du dich am besten mit Pferden auskennst und wir reit -führungen machen sollen. Genau! Und ich dachte…eh,…naja vielleicht hast du ja Lust.“ Ich sehe ihn erstaunt an. Jetzt nimmt er meine Hand, und hält sie fest. Seine Hände sind ganz warm und weich. Er sieht mich bittend an. Ich muss nachdenken. Schlagartig ziehe ich meine Hand weg, nehme die Zügel auf und Galoppiere ins Licht meiner Taschenlampe. Wieso hat er meine Hand genommen? War es eine Bitte, dass ich mit komme, oder wollte er mir damit mehr sagen? Zuhause angekommen, bringe ich Jeany in den Stall und schließe unten die Tür leise auf. Wenn Mason gleich kommt, wird er vermutlich den Schlüssel aus dem Blumentopf nehmen. Ich schleiche die Treppen hoch in mein Zimmer und schließe sie leise hinter mir. In meinem Zimmer angekommen, schlüpfe ich in meine lange Schlafanzughose und mein Top. Ich setzte mir Kopfhörer auf und fange wie wild an zu tanzen. Als ich auf die Uhr sehe, bekomme ich einen Schrecken. Es ist halb sechs Uhr morgens. Ich sage mir, dass es sich eh nicht mehr lohnt schlafen zu gehen. Also tanze ich einfach weiter. Um sechs Uhr gehe ich nach unten, in die Küche und mache mir einen Cappuccino, damit ich den Tag durchhalte, aber ich habe gerade soviel Energie, als hätte ich zwölf Stunden geschlafen. Um viertel nach sechs, geht die Tür auf und Mason kommt herein.
„Möchtest du auch einen Cappuccino?“ Er sieht mich ein wenig verwirrt an, nimmt dann aber doch einen.
Wir sitzen am Wohnzimmertisch und schweigen.
„Ich muss noch fragen, aber ich denke ich komme mit. Das wird bestimmt witzig. Also nur, wenn du nach meinem komischem Auftritt eben, nicht überlegt hast André oder Laura zu fragen.“
„Ich will aber nicht irgendjemanden mitnehmen, sondern dich.“ Ich glaube ich werde rot. Schnell sehe ich auf die Uhr. Schon halb sieben. Als ich Mason ansehe, zuckt ein lächeln über seine Lippen. Was meint er damit, ‚ich will nicht irgendjemanden mitnehmen, sondern dich‘? Er ist doch nicht etwa…ist er? Nein, niemals, oder…?
„Ehm..ja, also ich denke…eh ich sollte mal…“
„Ja, stimmt. Schon halb sieben. Wir sollten uns fertig machen, damit wir nicht zu spät kommen.“
Ich gehe hoch in meinen „Kleiderschrank“ und nehme mir ein zartes Kleid heraus. Es ist weiß und aus spitze. Oben ist es enger geschnitten. Ab der Talie, ist es locker zu den Seiten hin. Ich flechte mir meine Haare zu einem seitlichen Zopf, der mir über die Schulter fällt. Ich ziehe mir noch mit dem Eyliner einen schmalen Strich über den oberen Wimpernkranz, und ein wenig Wimperntusche. Reicht das? Also ich finde ein zartes rosé auf die Lippen geht immer. Als ich fertig bin gehe ich hinunter ins Esszimmer und wünsche meinen Eltern einen guten Morgen. Sebastian hat es gerade noch geschafft, zurück zu sein, bevor Mama und Papa aufwachen.
Ich gehe noch einmal hoch in mein Zimmer, doch auf der Treppe kommt mir Mason entgegen.
„Lena, du, also…du siehst einfach super hübsch aus. Das Kleid sieht super toll an dir aus.“
„Danke, eh… findest du wirklich?Eh….ich meine ja nur….“
„Ehrlich gesagt…ich wollte dir sagen, dass ich dich…“
„Kinder, es gibt Frühstück, kommt ihr bitte essen!“ Meine Mutter fällt Mason mitten ins Wort. Schade, denn eigentlich hätte ich gerne gewusst, dass er mich was? Liebt? Nein, das kann nicht sein, oder? Wieso sollte er sonst sagen, dass ich hübsch aussehe? Nein, das war bestimmt nur rein Freundschaftlich, das kann nicht sein. Letzten Winter war Mason noch in Mia, aus meiner Parallelklassse verliebt. Oder nicht? Er nimmt mich an der Hand und zieht mich sanft hinter sich her, ins Esszimmer. Wir setzten uns an den Tisch. Neben mir sitzt Mama. Gegenüber von mir Mason, der mich die ganze Zeit lang anstarrt, neben ihm Sebastian und am Ende des Tisches Papa.
„Mama, Papa, darf ich in den Ferien mit Mason in Amerika seinen Onkel besuchen?“
„Nein, du hast doch noch ein Pferd, zwei, aber Jeany musst du reiten. Das geht nicht.“ Mama klingt entschlossen.
„Ich übernehme Jeany freiwillig.“ Hat gerade Sebastian…mein Pferd für die Ferien FREIWILLIG übernommen!?!?!?! Nein oder?
„Aber Andrea, sieh es doch mal als große Chance in den Ferien eine gute Möglichkeit gefunden zu haben, damit Lena mehr und besser Englisch sprechen lernt.“ Er meint die drei auf dem Halbjahreszeugnis und die vier auf diesem.
„Okay, aber wir denken noch darüber nach. Bis jetzt ja.“
„Danke Mama, danke Papa und ganz besonders, danke Sebastian.“ Ich umarme alle einmal.
„Lena, ich denke wir sollten los.“ Meldet sich Mason zu Wort.
„Oh ja, hast recht. Komm, wir holen unsere Taschen.“
Wir gehe blitzschnell hoch und holen unsere Taschen, ziehen unsere Schuhe an und huschen mit einem „Bis später“ aus der Tür raus. Laura und André sind noch nicht da, also nutze ich die Zeit, um Mason zu fragen, was er mir eben sagen wollte.
„Du, Mason, eben, als wir auf der Treppe standen, kurz bevor Mama uns gerufen hat, wolltest du mir etwas sagen, was war es? Du hast gesagt, dass du mich?“
„Llllustig, ja genau, ich finde du bist super lustig und humorvoll. Das hatte ich versucht zu sagen.“
„Aha, Okay. Naja, war wohl nicht so wichtig.“ Enttäuschung spielt in meinem Gesicht ab. Ich glaube, dass auch Mason das gemerkt hat, denn jetzt versucht er es noch einmal mit der Wahrheit.
„Also, Lena, was ich sagen wollte, war mehr ein…eh also…“
Sein Gesicht, mit den wundervollen Augen und den noch süßeren Mimiken kommt näher und grade, als sich unsere Lippen leicht berühren…
„He, guten Morgen. Na, gut geschlafen?“ Laura…! Na super, in letzter Zeit macht sie sich echt nicht beliebt bei mir.
„Wo ist André? Und wieso bist du so spät?“
„Ich habe die ganze Zeit auf André gewartet und als ich dann irgendwann geklingelt habe, hat seine Mutter mir gesagt, dass er krank ist.“ Berichtet Laura. Wir gehen zügig zur Schule, denn wir sind relativ spät dran. Heute haben wir nicht so lange Schule. Um viertel vor zwölf ist die fünfte Stunde zu Ende und damit beginnt das Wochenende. Ich muss heute noch einmal zum Krankenhaus, denn der Gips um mein Handgelenk kommt weg, dafür aber noch eine Art Schiene dran und ein verband. André hat heute schon um zwei Uhr Schwimmtraining. Normalerweise, komme ich mit, denn wir sind im gleichen Kurs. Laura und Mason haben um vier Uhr Tennistraining. Als wir nach Hause gehen, bieten sich Laura und Mason an, mit mir ins Krankenhaus zu fahren. Ich sage Mama, dass sie nicht mitkommen braucht, weil ich schon neue Begleitungen habe. Um um halb zwei, sind wir wieder raus aus dem Krankenhaus. Morgen ist Omas Beerdigung und meine Freunde habe ich auch gebeten zu kommen, denn Oma hätte es so gewollt und ich möchte jemanden haben, bei dem ich mich ausweinen kann. Zuhause angekommen, stürzt sich gleich meine Mutter auf mich.
„He, Schätzchen. Ich habe dein Flugticket eben gekauft. Ich bringe dich und Mason übernächste Woche Montag zum Flughafen. Ist das Okay so?“
„Ja, natürlich. Danke Mama.“
„Habe ich gerne getan. Ich gehe noch einkaufen. Brauchst du etwas?“
„Nein, danke.“
Ich gehe hoch in mein Zimmer.
„Lena, ich muss gehen, ich komme heute Abend nachdem Training reiten. Bis dann!“
„Okay, tschüss, Laura“
Jetzt ist nur noch Mason da. Ich muss die ganze Zeit an heute Morgen denken. Und an gestern Abend. Erst, hat er meine Hand genommen, dann hat er gesagt, dass er mich lustig findet? Und dann der halbe Kuss heute Morgen. Diese Sachen verwirren mich. Und er sagte, dass ich hübsch aussehe. Ist das Liebe? Mason liebt mich? Niemals. Wir sind Freunde, gute Freunde. Das kann niemals was werden.
„He, das mit heute Morgen tut mir Leid, ich wollte nicht, dass es so wird.“
Er zieht mich in seine Arme, und sieht ein wenig auf mich runter, und ich zu ihm hoch. Und dann passiert es, was heute Morgen halb geblieben ist.
August 10th, 2014 at 19:10
Sooo toll <3