Skaaa 5

Posted by: Anna Reimer in Allgemein, Geschichten, Skaaa Add comments

Es klopft zweimal leicht und kurz darauf höre ich Bens Stimme, wobei in meinem Kopf nur ein Bild seiner wunderbaren Augen herum fliegt:“Hey, du bist vorhin so schnell weg gerannt und dann hab ich dich schreien hören, deswegen bin ich nicht..“ ich unterbreche ihn:“Willst du nicht rein kommen?“ einen Moment herrscht Stille:“Nein, ich wollte nur sagen, du kannst dich beim Abendbrot gern zu mir setzten“ seine Stimme klingt nervös, ich freue mich über sein Angebot und höre leise Füße davon tippeln. Ich weiß nicht warum, aber Ben ist mir unglaublich sympathisch, bei ihm habe ich das Gefühl er kennt mich, er kennt mich wirklich. Ich werde nie mehr sein, als ich bin, doch jetzt werde ich dort raus gehen (in meinem Fall in den Essenssaal) und ihnen zeigen, dass ich kein Häufchen Asche bin. Ich bin ein Kampf Leopart, schleichend, elegant,eindrucksvoll, leise, aber trotzdem extrem stark.

Alle, aber auch wirklich, alle gucken mich an, wie ich, als wäre es das normalste der Welt, lachend den Saal betrete, mir meine gelöste Haarsträhne elegant hinters Ohr streiche, mich schleichend in Bens Richtung bewege, mich leise hin setzte und verdammt eindrucksvoll aussehe. Meine Haare habe ich hochgesteckt, ich habe meine Klamotten mit den Totenköpfen darauf an und eine dunkle, enge Jeans, meine Lippen sind rot geschminkt und meine Wimpern getuscht. Als ich sitzen bleibe und dem staunenden Ben Hallo sage, denken alle es sei vorbei und ich hätte meine Show beendet, doch ich stehe auf und hole mir das beste vom Buffet (Brot) ich höre Mädchen tuscheln:“Die ist verdammt stark!“ Ich kehre zu Ben zurück, der grinst und schmeichelt:“Der Totenschädel ist cool!“ „Finde ich auch“ er zeigt mir, dass es real war. Wir fangen an zu Essen, ich habe allerdings keinen großen Hunger, knabbere mein Brot und fange ein Gespräch an:“Jaa… warum biste eigentlich hier?“

Hm… also, ich hab Schizophrenie, aber keine Angst, ich bin kein Schlimmer Fall!“ Bildet er sich ebenfalls Stimmen ein? Ist er wie ich? Oder besser gesagt: Bin ich wie er?! Bin ich Schizophren? Nein… es heißt doch, einmal Schizophren, immer Schizophren! Ich kann nicht für immer mit diesen Halluzinationen leben! „Was meinst du damit?“

Naja“ setzt er an „Es gibt Leute, die bekommen Wahnvorstellungen und so was, ich habe aber nur manchmal Probleme beim Denken, also manchmal bin ich halt nicht so schnell, oder ich habe plötzlich eine andere Stimme und verhalte mich anders. Ich weiß nicht, ich habe das Gefühl ich bin langsam ein Teil mit der Schizophrenie, denn ich weiß wann es kommt und kann mich einschätzen. Ich bin aber auch schon lange hier“ Hört sich nach ziemlich vielen Therapiestunden an! „Wie oft hast du Therapien?“ bestimmt fünf mal die Woche! Das muss am Anfang echt schwer für ihn gewesen sein! „Nie!“ er guckt mich selbst zufrieden an:“Meine Eltern wollten das nicht, also bin ich nur in der Selbsthilfegruppe und beim Sport“ Beneidenswert! Nein! Was bin ich nur geworden, jemanden zu beneiden, der schon sein halbes Leben in einer Klapse verbracht hat, nur weil er keine Therapien machen muss! Viel mehr hätte er einen Grund mich zu beneiden, wo ich doch mein ganzes Leben frei gestalten durfte. Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich mich jetzt gerade hasse! Was war ich doch für eine Idiotin! Plötzlich schießt mir der Gedanke durch den Kopf, dass Fred mich hier her geschickt hat und mir diese Illusionen beschert hat, damit ich dies verstehe, damit ich verstehe worauf es ankommt. Ich umarme Ben und sage:“ Es tut mir so so leid, ich bin so dumm! Wenn du willst erzähl ich dir von Fred“ Ich hab noch niemandem von Fred erzählt, einerseits weil Fred mir gehört und andererseits, wer glaubt schon an ein Welten erfurzendes Einhorn?!

Wer ist Fred?“ er schaut mir verwirrt ins Gesicht. Ich fange an ihm zu erzählen und der große Essaal verschwindet auf einmal und wir sind ganz allein und ungestört. Ich erkläre wie Fred die Welt erschuf, wie er mich hier her gebracht hat und wie er über, nun uns beide, wacht. Hätte ich meine Gedanken mit Kyla, Ava, Lyn oder vielleicht auch Jayden geteilt, hätten sie mich spätenstens dann hier her gebracht. Mit Ben ist es anders: Als ich von Fred geredet habe, war er aufmerksam und total interessiert, jetzt stellt er noch fragen:

Aber wie groß ist sein Hintern denn dann?!“ wir lachen, nicht nur gespielt, sondern ganz ehrlich.Die JB-Pille bringt anscheinend doch was.

Nachdem ich ihm alles erklärt und er meiner seltsamen Religion grinsend beigetreten ist, gehe ich hoch in mein Zimmer und vertiefe mich in mein Buch. Mir laufen Tränen runter und ich will das Mädchen in den Arm nehmen und ihr sagen das alles gut wird, doch sie ist schon längst tot. Ich lese so gierig und schnell, dass mich bald nur noch ein Kapitel vom Ende des traurig schönem Buch trennt, doch plötzlich schiebt sich mein Fenster auf. Ich kriege fürchterliche Angst und gehe meinem dummen Instinkt nach, indem ich die Decke über meinen Kopf ziehe. In meinem Kopf ziehen hunderte Arten meines Todes umher. Mit einer schnellen Bewegung zieht mir eine schwarz eingehüllte Person die Decke vom Kopf weg, ich fange in Todesangst an zu kreischen, im Raum ist es Totenstill, eine Hand hält mir den Mund zu. Ich wittere meine einzige Überlebenschance und lecke sie ab. „Muss das sein?“

Jayden“ flüstere ich ins Nichts. Er kann es nicht sein!

Ja. Pssst! Es darf uns niemand hören! Ich musste dich sehen und dir die Neuigkeiten erzählen!“

Was ist denn passiert?“ Hoffentlich nichts schlimmes!

Also, ich habe die Männer, die wir in der Wohnung gelassen haben der Polizei gemeldet. Evelyn hat sich Sorgen gemacht und mich angerufen, sie weiß jetzt Bescheid.“

Einen Moment herrscht Stille.

Ist… „ meine Stimme ist zittrig „ist sie sauer?“

Nein, nur unglaublich besorgt“ ich wünschte ich hätte sie nie zurück gelassen! Wie unglaublich gerne würde ich ihr alles erklären, dass es einfach keinen anderen Weg gab und ich nicht wollte das es eskaliert. „Ach, und, falls es dich beruhigt: Mein Vater wurde aus dem Krankenhaus entlassen, er lebt!“ Ich falle ihm um den Hals:“Das ist ja super!!!“

Pssst! Nicht so laut!“ Seine Nähe tut mir gut, er ist so schön warm und… er ist so schön Jayden. Ich spiele mit dem Gedanken, ihn zu fragen ob wir uns geküsst haben. Es wäre schön zu wissen, wenn er mich liebt. Doch wenn er mich nicht liebt… Ich schiebe den Gedanken schnell weg und frage stattdessen:“ Denkst du ich bin irgendwie geistig verwirrt?“

Ich glaube schon, aber warst du das nicht schon immer ein bisschen?!“ er lächelt mir liebevoll zu. Ein Geräusch ertönt und direkt vermisse ich Jaydens warmen Körper neben mir. Eine Schwester tritt ein:“Mit wem redest du da?“ als erstes gucke ich sie schief an, dann sage ich vorsichtig:“Och, nur mit mir selber“ innerlich kichere ich.

Alles gut?“ Nein, wegen dir ist Jayden nicht mehr neben mir, sondern unter mir!

Ja, alles super! Ich lese grade ihr Buch, ist echt gut!“ zur Bekräftigung halte ich das Buch in die Höhe.

Na, dann will ich mal nicht weiter stören!“ leise schließt sie die Tür hinter sich und Jayden kommt unter dem Bett hervor:“Das war knapp!“ zu knapp! „Ska, ich glaub ich muss gehen! Aber hier, ich hab dir dein Handy mit gebracht!“ Er legt es mir auf meinen Nachttisch und verschwindet wieder aus dem Fenster.

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