Nach der Schule biete ich ihr an noch mit zu uns zu kommen und da sie nichts anderes vor hat, ruft sie ihre Mutter an, die einverstanden ist und kommt mit zu uns.

Ich muss noch zum Tanzunterricht, wenn du willst, kannst du mit kommen.“, schlage ich vor.

Was tanzt du?“, fragt sie.

Ballett.“, antworte ich.

Habe ich auch getanzt, bis ich umgezogen bin. Meinst du, dass ihr noch welche aufnehmt? Ich habe auch schon spitze getanzt.“, sagt sie. Ich freue mich.

Klar, ich habe noch Tanzsachen Zuhause. Wenn du willst, kann ich dir was leihen.“, schlage ich vor.

Wir kommen nach zehn Minuten auf dem Vergissmeinnicht-Hof an. Wir bringen unsere Sachen in mein Zimmer und nehmen uns aus meinem Kleiderschrank Reitsachen.

Wow, das ist ja riesig hier. Ich wünschte, ich hätte auch so ein Zimmer. Meine Kleidung ist immer das, was meine Mutter entworfen hat. Die Firma näht es und wir bekommen auch ein Exemplar davon. Das gehört dann mir.“, sagt sie und ich bin begeistert. Wir gehen uns umziehen und dann in den Stall. Ich hole Jeany und Black Rose von der Wiese und binde sie in der Stallgasse an. Ich zeige Melis, wie sie Black Rose satteln muss und sie macht es perfekt nach. Ich sattle Jeany auch und wir steigen auf.

Bist du schon einmal geritten?“, frage ich um zu wissen, was ich mit ihr machen kann.

Ja, also so Grundlagen kann ich.“, sagt sie. Ich denke, wir gehen in die Reithalle. Sie ist leer und wir haben alles für uns. Wir machen Grundlagen und unterhalten uns. Melis hat noch eine Schwester. Sie ist eineinhalb Jahre alt. Um halb drei gehen wir zurück in den Stall und bringen die Pferde weg. Melis ist total nett und ich denke, Laura hätte sie auch gemocht. Ich nehme meine Tanzsachen und gebe Melis auch welche. Wir ziehen uns schon Zuhause um und werden von Mama in die Stadt, das was man Stadt nennen kann, gebracht und vor der Tanzschule raus gelassen. Zum Glück hatte ich noch ein Paar Spitzenschuhe. Wir wärmen uns auf und fangen an zu Tanzen. Nach dem Tanzunterricht bringen wir Melis nach Hause. Ich gehe auch heute wieder früh ins Bett.

Am nächsten Morgen, stehe ich Energie geladen auf. Ich gehe mit meinen Freunden zur Schule, doch heute ist irgendetwas komisch. Vor der ersten Stunde, treffen wir vor dem Haupteingang Melis. Sie sieht unglaublich hübsch aus. Ich sehe, wo Mason bleibt, aber er steht genau hinter mir. Dann sehe ich, wie er sie ansieht. Auch André sieht nirgendwo anderes mehr hin. Was soll das? Okay, Melis ist dünner und hübscher als ich, aber wieso sieht Mason nur noch sie an? Ich gehe an ihnen vorbei in die Klasse. Der Unterricht ist so langweilig, wie üblich. Und dann kommt die erlösende Pause und wir sitzen um den Baum herum. Doch keine Sekunde lang wendet Mason den Blick von Melis ab. Und so ist es auch in der folgenden Pause und den folgenden Tagen. Ich fühle mich immer mehr allein gelassen und mein einziger „Freund“ in letzter Zeit, ist Sebastian. Na super. Am Donnerstag haben Mason und Melis zusammen Surfunterricht und ich sitze hier und weiß nicht, was ich machen soll. Wie üblich kommt Mason nach dem Surfunterricht zu uns.

Hey. Was machst du?“, fragt er, aber ich tue so, als würde ich ihn durch die Musik nicht hören.

Lena!“, sagt er so laut, dass ich es sogar bei Rock Musik noch gehört hätte.

Hm?“, ich sehe auf.

Was machst du?“, fragt er noch einmal.

Zeichnen.“, antworte ich.

Diese Melis aus deiner Klasse, sie kann so gut surfen. Das hättest du sehen müssen. Das sah so aus, als würde sie das Wasser lenken.“, schwärmt er von Melis. Was hat sie, was ich nicht habe? Ich nicke und zeichne weiter. Er schwärmt immer noch von Melis, aber ich höre ihm nicht zu, denn ich überlege, was sie hat, was ich nicht habe. Ich weiß es. Sie hat immer die tollsten Klamotten und ich nicht. Sie hat eine Modedesignerin als Mutter und wir leben auf einem Hof. Einem Reiterhof. Und sie ist dünn. Wenn man mich so ansieht, dann bin ich im Gegensatz zu ihr, dick. Ich stehe auf und sehe in den Spiegel. Sie ist 15, genauso wie ich und hat ein zartes Gesicht. Ich dagegen habe diese aufgeblasenen Hamster backen. Das muss sich ändern. Doch wie wird man dünn und das in einem möglichst kurzen Zeitraum? Es gibt mehrere Methoden.

  • Runter hungern und Sport treiben (Wenn man dann weder etwas isst, wird man schnell dick)

  • Auf die Ernährung achten (langfristig)

  • Übergeben

  • weiter machen (und zusehen, wie man dick bleibt)

ich denke, ich fange mit der Ernährung an. Keinen Zucker mehr genauso wenig wie viel Kalorien.

Ich setze mich Bett. Ich muss das schaffen! Ich muss abnehmen! Ich habe ein BMI von 21 da ist noch Platz nach unten! Ich nehme mir meine Zeichnung und zeichne weiter. Es ist ein Gewirr aus Linien. Mason redet immer noch von Melis. Langsam nervt es mich! Ich werde doch schon was dagegen tun! Mehr kann ich auch nicht machen, oder doch? Sollte ich doch etwas machen, was schneller geht? Ich denke, ich fange klein an. Es ist eh schon ein schlechtes Gefühl. Doch das ist nicht so wichtig. Ich muss es tun! Für mich! Am Abend gibt es Pizza. Nie im Leben, werde ich die essen! Ich gehe in die Küche und mache mir Salat. Ich setze mich an den Tisch. Als Sebastian dann da ist, wollen Mama und Papa uns etwas mitteilen.

Also, wie ihr wisst, hatten wir letztens Stammtisch und der hat mir zum Geburtstag eine Reise nach Neuseeland geschenkt. Für zwei Personen. Wir dachten, wir könnten ein wenig Urlaub machen und in der Zeit könntest du, Sebastian, da du fast 18 Jahre alt bist und du Lena, mit deinen 15 auf den Hof aufpassen. Natürlich nicht ganz alleine. Ich habe Jane gefragt und sie sagt, sie würde euch helfen und dann haben wir ja auch noch Oliver, Franco und Paul.“, sagt sie. Oliver Franco und Paul arbeiten im Stall. Ohne sie würden wir keine 46 Boxen ausmisten können.

Und ich habe eurer Tante gesagt, dass sie bei Oma im Anbau bleiben kann, oder wenn sie will auch bei uns. Aber ich dachte mir, dass ihr sie nicht unbedingt jeden Tag 24 Stunden im Haus haben wollt.“ Tante Chloé ist das Schlimmste, was uns passieren konnte. Super gelaufen.

Keiner von uns beiden sagt was. Wir nicken brav und stehen auf. Das machen wir immer so, wenn uns etwas nicht passt. Mama und Papa wissen, dass es uns dann nicht passt. Ich gehe in mein Zimmer und schlafe. Das war ja heute ein doofer Tag.

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