Als die Schule aus ist, kommt Laura zu mir herüber gestürmt. „Habe ich dir schon erzählt, dass meine Eltern das Wochenende über verreisen? Sie fahren nach Juist. Kann ich bei dir übernachten?“ Sie ist ganz aufgeregt vor Freude.
„Natürlich“, antworte ich, während ich meine Sachen zusammen packe.
Wie gewohnt treffen wir uns vor dem Haupteingang der Schule.
„Was machen wir dieses Wochenende?“ will André wissen.
„Ich übernachte bei Lena“, antwortet Laura stolz.
„Lass uns doch Campen gehen. Ich habe eine schöne Strecke im Wald gefunden!“ Sagt André und beißt von seinem Pausenbrot ab.
„Ich habe keine Lust auf wandern“, meldet sich Mason zu Wort.
Ich hatte gar nicht gemerkt, dass er auch schon da ist.
„Nein, natürlich wandern wir nicht. Wir werden reiten.“ präsentiert André seinen Plan stolz.
Auf dem Weg nach Hause reden wir kaum. Freitags gehen wir nach der Schule immer auf den Hof um gemeinsam zu reiten und zu trainieren für die nächsten Springturniere. Wir legen unsere Sachen in mein Zimmer, holen meinen Hund, Winnetou, aus dem Haus und gehen rüber in den Stall. Laura und ich besorgen etwas zu Essen, während Mason und André die Pferde satteln.
Heute ist es aber anders. Als wir auf unserem Hof ankommen, gehe ich ins Haus und frage Mama, ob wir einen Ausritt mit Camping machen können. „Meinetwegen, aber ihr müsst auch an die entsprechende Verpflegung denken“ sagt sie und ich bin glücklich.
Im Stall angekommen, striegeln und satteln wir die Pferde. Ich werde mit Jeany reiten.
„Was brauchen wir alles? Kann jemand mal eine Liste erstellen?“ fragt Laura in die Runde.
„Ich glaube Wiesen gibt es zu genüge, aber wir brauchen Zelte, Schlafsäcke, Isomatten, Wasserbehälter und so weiter. Ich kümmere mich dann mal um die Verpflegung. Kann jemand dann mal Dusty übernehmen?“ Dusty ist das Pferd von Mason. Da ich schon mit Jeany fertig bin, sattel ich Dusty.
Dusty ist ein Holsteiner Schimmel und fast neun Jahre alt. Laura reitet eine braune Hannoveraner Stute, André einen Englischen Vollblut Fuchs, seine kleine Schwester, Anna, ein Islandpony, Jeany ist ein Araber Rappen und Black Rose ist ein Haflinger, auch wenn sie nicht schwarz ist.
Mason kommt mit zwei Zelten, vier Isomatten, vier Schlafsäcken und einer Liste in der Hand wieder. „Ich muss noch nach Hause und meine Sachen holen. Meine Eltern habe ich schon um Erlaubnis gefragt. Also dann bis gleich!“ Er will sich grade umdrehen und nach Hause gehen als mir eine gute Idee kommt. „Lass uns doch gleich gemeinsam bei dir, Laura und André vorbei reiten. Dann können wir sofort los reiten.“ Da alle mit meinem Vorschlag einverstanden sind, satteln wir unsere Pferde zu Ende und gehen die Liste durch. Als wir fast alles beisammen haben, reiten wir los um die restlichen Sachen zusammen zu bekommen.
„Ich würde sagen, wir reiten als Erstes bei André vorbei, dann zu mir, bei Laura vorbei und zurück zum Vergissmeinnicht-Hof. Dann sind wir innerhalb 15 Minuten wieder bei Lena Zuhause.“ Vergissmeinnicht-Hof heißt mein Zuhause, der Reiterhof. Wieso er nicht Schulte-Hof heißt weiß ich nicht genau. Erst als wir ihn erbten hat Papa ihn umbenannt. Vorher hieß er Schulte-zu Meyer-Hof, meiner Oma zuliebe. Sie hieß, bevor sie mit Opa heiratete, Meyer mit Nachnamen.
André kommt grade aus seinem Haus raus, da fängt es an zu Regnen.
„Sollen wir die Tour nicht verlegen und heute einen Camping-Abend mit Filmen und Chips im Stall Machen? Oder in der alten Reithalle, da kommt doch am Wochenende eh keiner rein.“, schlägt Laura vor. Die alte Reithalle wird fast nur noch für Unterricht benutzt.
„Ich stimme zu“, sage ich, denn ich habe keine Lust bei Regen zu reiten.
„Na gut.“, sagt auch André zu der Idee.
Als wir auch Masons Ok haben, reiten wir trotzdem noch die Runde zu Ende und gehen zurück auf den Vergissmeinnicht-Hof.
Bei mir Zuhause angekommen, stellen wir die Pferde erst mal gesattelt in die Box und gehen mit dem Gepäck in die alte Reithalle und schlagen unser „Zeltlager“ auf. Als nächstes holen wir die Pferde und reiten sie in der neuen Reithalle ab.
„Können wir mal ein paar Sprünge machen? Es ist total öde die ganze Zeit nur zu Galoppieren!“ sagt André und ist schon dabei den Parcour aufzubauen. Die Hindernisse sind sehr hoch, aber wir schaffen es trotzdem eine fehlerfreie Runde zu reiten.
„Ich hole schon mal den Film. Welchen wollen wir überhaupt gucken?“ frage ich.
„Bitte keinen Horrorfilm. Davon bekomme ich Albträume!“ sagt Laura.
„Wir könnten Fluch der Karibik gucken.“ sage ich, denn ich habe auch Angst vor Horrorfilmen. In Fluch der Karibik kommen zwar Skelette vor, dennoch ist es eine Komödie.
Schließlich entschieden wir uns für Fluch der Karibik. Während Laura und André abreiten, gehen Mason und ich ins Haus, um den Film und die Chips zu holen.
Unser Haus besteht aus drei Etagen. Wenn man durch die Haustür herein kommt, sieht man einen langen Flur vor sich. Rechts ist die Küche und die Treppe um in den ersten und zweiten Stock zu kommen. Links ist das Wohnzimmer. Das Gästebad ist geradeaus, am Ende des Flures. Die Terrasse ist durch das Wohnzimmer zu erreichen. Wenn man ins Wohnzimmer eintritt, ist links das Sofa und der dazugehörige Tisch. Links vom Sofa ist ein großes Fenster. Rechts von der Tür steht ein kleiner Kamin. Wenn man auf dem Sofa sitzt, sieht man geradewegs auf ein Regal mit politischen Büchern. Mama mag es sich vor Gästen zu präsentieren, als ob sie sich für Politik interessiert. In echt interessiert sie sich kein bisschen, aber da Papa die links orientierten Parteien für richtig hält, wählt sie die auch. Neben dem Regal ist die Terrassentür. Von der Terrasse aus geht eine Treppe in unseren Privatgarten.
Um die Chips zu holen müssen wir in die Küche. Zuhause haben wir immer Chips und etwas süßes. Papa meint, wenn wir genügend Sport treiben, was durch den Reiterhof nicht zu vermeiden ist, ist es nicht so schlimm, wenn wir uns am Abend etwas ungesundes gönnen. Ich esse trotzdem nicht viele Süßigkeiten, denn sie bleiben ständig an meiner Zahnspange hängen und ich muss am Abend alles heraus kratzen.
In der Küche sind Überwiegend Regale und Küchenschränke. Von der Küche aus geht wieder eine Tür in das Esszimmer. Im Küchenschrank befinden sich verschiedenste Sorten von Chips. Ich möchte am Liebsten die Balsamico Chips, aber ich weiß, dass die Anderen oft nicht mit meinem Geschmack übereinstimmen. Als ich Mason fragend ansehe, nach dem Motto „Was meinst du, was schmeckt den Anderen?“, fallen mir seine wunderschönen blau-grünen Augen auf. Vorher habe ich nie darauf geachtet, aber seit Neustem habe ich das Gefühl, jeden Tag etwas zu entdecken, was mir vorher nie aufgefallen war, zum Beispiel seine braunen Haare und seine Augen.
Als ich aus meiner „Starre“ wieder erwache, sieht nun er mich fragend an und ich wende den Blick schnell ab, denn es ist mir peinlich, zuzugeben, etwas für ihn zu empfinden, auch wenn es keine Liebe ist.
Wir entscheiden uns für geriffelte Billigchips und Balsamico Chips. Schnell füllen wir sie in Glasbehälter und holen den Film aus meinem Zimmer. Um in mein Zimmer zu gelangen muss man eine große Tour durchs Haus machen. Als erstes die Treppe vom Erdgeschoss aus hoch, in den ersten Stock. Im ersten Stock ist das Schlafzimmer meiner Eltern, das Arbeitszimmer meines Vaters, der begehbare Kleiderschrank meiner Mutter und das Elternbadezimmer. Wir müssen eine weitere Treppe hinauf, in den zweiten Stock. Dort befinden sich die Zimmer von mir und Sebastian. Um ehrlich zu sein, finde ich, wir sind verwöhnt, aber ich finde es irgendwie schon cool. In unserer Etage befinden sich zwei Schlafzimmer mit einem dazugehörigen Bad und begehbaren Kleiderschrank, zwei Lernzimmer und ein Fernseh- und Filmzimmer. Das müssen wir uns leider teilen. Ich glaube ich werde nicht freiwillig ausziehen.
In meinem Zimmer angekommen, hole ich den Film aus meinem Regal. Von der Tür aus sieht man geradeaus ein Fenster, von dem man den halben Hof sieht. Unseren fünf-Boxen-Stall habe ich von hier immer im Auge. Rechts neben dem Fenster, steht mein Schreibtisch, daneben mein Regal mit Schulbüchern, daneben wiederum die Tür zum Bad. Vom Bad kommt man in den begehbaren Kleiderschrank. Links neben der Zimmertür steht ein Regal mit Filmen und Freizeitbüchern. Winnetou schläft mit in meinem Bett, auch wenn Mama es aus „Hygiene“-gründen nicht in Ordnung findet. Aber wer ist bitte sauberer? Sebastian oder Winnetou? Na also!
April 12th, 2014 at 12:00
Wie lange brauchst du etwa für so ein Kapitel? Bestimmt lange oder?