Der Abend war viel zu früh vorbei und auch die Nacht, war zu kurz zum ausschlafen. Der nächste Tag begann für mich zu früh. Der Lärm weckte mich. Ich krieche also aus dem Zelt, dass ich mit Laura teilte, hinaus, um zu sehen, was dort draußen los ist . Plötzlich höre ich hinter mir Schritte und als ich mich umsehe, erkenne ich Mason, der wohl auch wegen der lauten Geräusche draußen wach geworden war. Die Peinlichkeit von gestern Abend war immer noch nicht ganz vorüber. Ich schämte mich für die Gefühle, die ich mir eingestehen musste.

„Du bist ja auch schon wach“ flüstert er mir zu, um Laura und André nicht zu wecken, was bei dem Lärm da draußen eh keinen Unterschied macht.
„ Ja, ich bin vor circa zehn Minuten wach geworden und wollte kurz hoch in mein Zimmer, um mir etwas anderes anzuziehen.“ Plötzlich lächelt er mich total süß an. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ich bin verliebt in einen meiner besten Freunde.
„Ich komme mit, wenn es dir nicht ausmacht, dass ich dein Bad benutze.“
„Natürlich macht es mir nichts aus!“ sage ich und freue mich innerlich über seine Frage.
Als wir hoch in mein Zimmer gehen, bemerke ich, dass ich Winnetou gestern Abend aus Versehen in meinem Zimmer vergessen hatte. Er freut sich, endlich befreit zu werden. Ich gehe schnell in Sebastians Zimmer, um mich dort zu waschen und meine Reitklamotten anzuziehen. Sebastian schläft noch tief und fest. Er hat von dem Krach dort draußen auch nichts mitbekommen.
Nach einer Weile, treffen Mason und ich uns wieder im Flur und gehen runter zur alten Reithalle.
Es ist sieben Uhr in der früh und ich bin um frühestens 2 Uhr eingeschlafen.

Bis Laura und André aufwachen, dauert es bestimmt noch, also beschließe ich, Jeany zu satteln und ein wenig auszureiten. Ich gehe in den Stall und hole Jeany aus der Box und binde sie an den Ringen neben der Box an. Ich striegle sie, kratze die Hufe aus und sattle sie. Ich will sie grade auftrensen, da entwischt sie mir. Normalerweise bleibt sie stehen und wartet geduldig bis ich sie auftrense doch heute übermannt sie die Gier nach saftig, grünem Gras. Also tu ich ihr den Gefallen und lege das Halfter an, bringe sie in die Stallung, nehme den Sattel ab und führe sie in unseren Privatgarten, durch das Tor an der Seite. Normalerweise kommt niemand auf die Idee die Pferde in den Garten zu bringen, aber Papa wollte die Tage eh mähen, von daher ist es nicht so schlimm.
Um circa Zehn Uhr bin ich im Wald und reite mit Jeany einen meiner Lieblingswanderwege entlang. Laura und André sind immer noch am schlafen.

Es wird langsam Frühling. Die Bäume und Blumen fangen wieder an zu blühen. Ich reite einen Pfad entlang, den ich oft wähle, wenn ich über etwas nachdenken muss und gedanklich nicht auf meine Umgebung achten kann. Der Weg geht leicht bergauf und ich reite im Schritt. Als ich am Ende des Weges ankomme setze ich mich auf die Bank, die da steht und streichle Jeany ein wenig. Irgendwann verschwindet die Sonne und ich komme zum Entschluss, dass es spät genug ist, um nach Hause zurück zu kehren. Auf dem Weg nach hause, kommt mir Mason entgegen geritten.
„Wir haben dich gesucht, wo warst du?“ fragt er mit einem besorgtem Blick.
„Ich war mit Jeany im Privatgarten und bin anschließend ausgeritten . Wieso was ist denn passiert?“
„Black Rose ist weggelaufen. Es ist einem Kind vom Reitkurs entwischt.“
Das darf nicht wahr sein! „Wohin ist sie gelaufen?“
„Richtung Osten“ sagte Mason.
„Ich glaube ich weiß, wo sie ist“
Wir reiten los. Als wir auf dem Hof ankommen, ist alles in Aufruhr. Im Osten gibt es noch einen Reiterhof, den Edelmann-Hof. In letzter Zeit ist Black Rose oft entwischt und dorthin gelaufen. Sie ist verliebt in einen Araber Hengst. Der Weg dorthin wird von einer großen Straße unterbrochen. Zudem gibt es viel Wald und steile „Berge“. Das was ich Berg nenne ist für einen Menschen aus Bayern ein Hügel, aber für Black Rose genug um einen großen Schaden zu verursachen.
Ich reite mit Mason los. Laura und André, die inzwischen auch schon wach sind, reiten nach Nord-Osten. Mama und Papa nach Süd-Osten, um nochmal ganz sicher zu gehen.
Ich galoppiere, denn wenn wir zu viel Zeit verlieren, könnte das erhebliche Schäden mit sich bringen. Erst überqueren wir die Straße, dann müssen wir ein ganzes Stückchen bergauf. Nach einer Weile geht es bergab. Ich reite zu schnell. Ich gehe ein großes Risiko ein, wenn ich so schnell bergab galoppiere. Hinter mir höre ich Masons warnenden ruf, aber da pralle ich mit dem Kopf schon gegen einen niedrig hängenden Ast. Ich sehe noch, wie ich von Jeany’s Rücken falle und mich im Flug nochmal drehe, da bin ich auch schon nicht mehr da.

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