Ich bin auf einer Wiese. Die Wiese ist mit Blumen übersät und riesig groß. Ich laufe, springe und hüpfe umher. Bei mir sind Winnetou, Black Rose und Jeany. Ich bin überglücklich. Plötzlich verschwimmt die Wiese und ich höre Stimmen, die leise miteinander tuscheln.
Meine Augen blinzeln in helles Licht und langsam gewöhne ich mich daran und erkenne ein paar unbekannte Gesichter um mich herum. Sie sehen mich erwartungsvoll an, nur dass heute nicht mein Geburtstag ist, und diese Menschen weder meine Familie sind, noch in meinem Zimmer um mein Bett herum stehen. Ich will mich gerade aufrichten, da verschwimmt das Bild wieder und als ich das nächste mal aufwache ist es Mama, die an meinem Bett sitzt und mich anlächelt, bevor mich die Medikamente wieder in die tiefen meines Traumes entführen.

Dieses mal träume ich von einem heißen Kochtopf, über dem ich hänge. Eine Gestalt, die aussieht, wie Darth Vader, fragt mich ob ich meine Schulden einsehe. Ich bin nicht religiös, aber langsam habe ich Angst, dass es den Teufel doch gibt. Ich schrecke hoch und wache schweißgebadet wieder auf.

Auf dem Stuhl neben meinem Bett sitzt Mason. Es ist mitten in der Nacht. Das wird der Grund sein, wieso er schläft. Ich versuche wieder einzuschlafen, aber es geht nicht. Als ich versuche aufzustehen, merke ich, wie schwach ich bin. Langsam beginnen sich Fragen in meinem Kopf zu bilden.
Wie lange bin ich schon hier? Warum bin ich hier, was genau habe ich?
All das quält mich, bis mir die Idee kommt, dass Mama vorgesorgt hat, und mir etwas in die Schublade meines Nachtschränkchens gelegt hat. Tatsächlich! Als ich die Schublade auf mache, finde ich mein Handy und einen Zettel.

Liebe Lena,
bestimmt fragst du dich jetzt wieso du immer noch im Krankenhaus liegst und nicht schon längst entlassen wurdest. Die Antwort liegt bei dir. Als du neulich, auf der Suche nach Black Rose, beim Zusammenstoß mit dem Ast eine mittel starke – starke Gehirnerschütterung holtest, hast du, als wäre das nicht genug, dir auch noch das Handgelenk gebrochen. Keine Sorge Black Rose und Jeany geht es gut, aber Winnetou vermisst dich sehr.

Ich komme dich bald besuchen,
liebe Grüße, auch von André, Mason, Laura, Mama und Papa,
dein Herz allerliebster Bruder Sebastian!

Als ich mein Handy an mache, sehe ich das Datum und bin schockiert!

Mein Geburtstag war am 17.05. ein Tag später war der Unfall. Heute ist der 26.05.

Und was die Uhrzeit angeht, bin ich total aus meinem Schlafrhythmus. Es ist 4:28 Uhr morgens und ich kann kein Auge zu machen. Ich entschließe mich, auf meinem Handy ein Spiel zu spielen. Um circa sieben Uhr wacht Mason auf. Ich bin schon seit einer Stunde nicht mehr am Handy. Mir wurde irgendwann so langweilig, dass ich angefangen habe Gedichte zu schreiben.

Um zu suchen gehst du Risiko ein,
Das ist aber gar nicht fein.
Der Unfall war ein Versehen ja,
Das wird dir aber jetzt erst klar.

Typische Paarreime und zudem sinnlos! Ich sollte keine Dichterin werden.

„Guten Morgen!“ höre ich Masons verschlafene Stimme.
„Morgen“ sage auch ich, damit es nicht unhöflich wirkt.
Ich kämpfe aber immer noch mit meinem Gedicht.
„Wie geht es dir?“
„Jetzt einiger Maßen Ok.“ Antworte ich, aber das ist gelogen. Mir ist übel und wenn ich gehen könnte würde ich vor der Toilette hocken.
„Ich rufe mal besser mal deine Eltern an. Andrea hat sich sehr viele Sorgen gemacht!“
Andrea und Tobias heißen meine Eltern. Meine Mutter macht sich oft zu viele Sorgen.
„Seit wann sitzt du hier schon?“ wage ich zu fragen.
„Gestern um 9 Uhr habe ich mit Laura Schicht gewechselt. Unter der Woche sind Tagsüber deine Eltern da und nach der Schule von 3- 6 Uhr André, von 6-9 Uhr Laura und damit ich nicht mitten in der Nacht geweckt werden muss, bin ich von 9-7 da. An den Wochenenden bis ich wach werde. Sebastian kommt dann wenn er Zeit hat, denn er muss Jeany reiten.“
Wow, sie haben richtige Schichten eingerichtet, damit ich ja nicht allein bin. Das hatte ich nur von meinen Eltern erwartet, aber niemals von meinen Freunden.
„Danke, aber bitte ruf jetzt nicht meine Eltern an. Ich habe keine Kraft um mir eine Standpauke von Mama an zu hören!“
„Ok. Ich muss dann auch mal gehen. Wenn du noch wach bist, sehen wir uns heute Abend.“
Mit diesen Worten verlässt er den Raum. Ich rufe eine Krankenschwester. Sie bringt mir Essen und macht den Fernseher an. Das Essen schmeckt nicht genießbar, aber der Hunger ist so groß, dass ich es Häppchen weise esse. Ich rufe Mama an und keine 10 Minuten Später ist sie da.

„Schätzchen wir haben uns so große Sorgen gemacht. Wie geht es dir?“
„Mir ist übel. Wann kann ich nach hause?“
„Wahrscheinlich morgen.“
„Kann ich nicht schon heute Abend gehen?“ nörgle ich.
„Da müssten wir den Arzt fragen, aber vielleicht geht das, denn Oma ist ja auch Krankenschwester.“

One Response to “Kapitel 4”

  1. Ines Says:

    Die Geschichte ist total schön geschrieben und sehr spannend. Ich freue mich schon darauf weiter zu lesen. Gut gemacht!!

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