ch stehe wie erstarrt da. Ich weiß weder was ich machen soll, noch was ich sagen soll. Laura kommt und versucht mich aufzuheitern, es sei das beste gewesen, Oma sei jetzt von ihrem Schmerz befreit und solche Sachen, aber was weiß sie schon davon, wie man sich fühlt. Ich will Oma noch ein letztes mal sehen, aber sie lassen mich nicht hin. Meine Mutter hat es verboten. Ich bin traurig und kann es noch nicht einmal verbergen. Also gehe ich raus, hole mein Fahrrad und fahre nachhause. Ich will weg, weg von den Menschen, die mir nicht erlaubten mich von Oma zu verabschieden, weg von denen die mich mitleidig angucken und mich versuchen mit „Sie ist erlöst“ aufzuheitern. Mein Weg führt mich zu Jeany. Ich hole Winnetou aus dem Haus, Sattle Jeany und reite los. Ich reite am See von heute Nachmittag vorbei und noch weiter. Plötzlich klingelt mein Handy. Es ist Laura.
„Mensch Lena, wo bist du? Alle machen sich sorgen!“ Ich kann ihre vorwurfsvolle Stimme nicht leiden.
„Ich bin im Wald. Wo bist du?“
„Bei dir im Zimmer. Los komm nach Hause. Bitte!“ Wahrscheinlich stehen meine Eltern drumherum und hören zu.
„Es tut mir leid, aber ich kann nicht. Ich bin morgen wieder zurück, versprochen.“
„Ich komme zu dir und dann reden wir.“
„Nein, ich bin gegangen um mit niemandem reden zu müssen.“
„Ok. Du kommst nach Hause und ich verspreche dir, niemand redet mit dir.“
„Ich überlege es mir.“ sage ich und lege auf.
Ich kehrte zum See zurück und setzte mich erst mal hin, um alles zu durchdenken und zu sortieren. Nach einer Weile komme ich zum Entschluss, nach Hause zu gehen. Als Mama erfahren hat, dass Oma gestorben ist, ist sie auch nicht abgehauen. Sie ist stark geblieben und darum beneide ich sie. Ich will auch stark bleiben können und nicht ständig in Tränen ausbrechen. Als ich auf dem Hof ankomme, sehe ich Sebastian, Mama, Papa und meine Freunde. In den Gesichtern meiner Familie sehe ich Trauer in denen meiner Freunde Erleichterung. Ich bringe Jeany weg und gehe in mein Zimmer. Ich schließe die Tür ab und schmeiße mich aufs Bett. Ich will nichts hören oder sehen ich will nur denken und verarbeiten. Die Trauer, die Wut und die Unentschlossenheit.Um elf Uhr wache ich auf. Ich gehe aus meinem Zimmer und gucke was Sebastian macht. Er liegt da und weint. Komisch, ich habe Sebastian bis jetzt nur weinen sehen,wenn er äußerlich starke Schmerzen hatte.
Meine Eltern schlafen schon. Na toll, wer liegt auf dem Sofa und schläft? Meine persönliche Therapeutin Laura. Ich wecke sie, damit sie nicht auf dem Sofa schlafen muss, sondern es etwas gemütlicher hat. Sie erzählt mir, dass Mason und André in meinem Arbeitszimmer schlafen. Drei persönliche Therapeuten und nein da fühlt man sich gar nicht wie ein Sozialfall…
Wir wecken Mason und André auch, dann gehen wir in mein Zimmer, machen es uns auf dem Boden gemütlich und schlafen. Um sechs Uhr geht Lauras Wecker. Na super, jetzt schlafe ich garantiert nicht mehr ein. Ist ja auch egal. Die viel wichtigere Frage ist, was zieh ich an? Das blaue Top mit den weißen punkten und die rote kurze Hose? Ja, das zieh ich an, aber was ist mit meinen Haaren? Ich glaube ich mache heute nichts aufwendiges draus, einfach hochstecken.
„Die würde ich offen lassen!“ Mal wieder steht Laura hinter mir uns sagt ihre Meinung ich werde meine Haare hochstecken! Am Frühstückstisch sagt fast keiner etwas. Sebastian hat ein total rotes und geschwollenes Gesicht. Meine Mutter sieht die ganze Zeit lang auf ihren Teller und schweigt. Ich kann nichts essen. Ich bekomme einfach nichts runter. Um sieben Uhr gehen wir aus dem Haus. Ich renne schnell zu unserem Stall und bringe meine Pferde auf die Wiese, dann gehen wir zur Schule. Wir schreiben gleich eine Französischarbeit. Ich muss nicht mitschreiben, da ich so lange gefehlt habe. In der Zeit, wo die Anderen die Arbeit schreiben, lese ich. Das Buch, was ich lese habe ich bestimmt 20 mal durch gelesen. Es handelt von einem dickköpfigem Mädchen, dass in eine neue Schule kommt und sich gegen den Anführer auflehnt. Am Ende verlieben sie sich ineinander und ich liebe es einfach. Nach eineinhalb Stunden gehe ich nach draußen.
„Wie war die Arbeit?“ frage ich Laura.
„ Die war viel zu schwer! Ich bin nicht einmal fertig geworden!“ beklagt sie sich.
„Ich auch nicht.“ sagt André.
„Naja, schlimmer als eine drei wird es wohl nicht.“ versuche ich die beiden aufzuheitern.
Nach der Schule gehe ich einfach nach Hause. Ich muss nachdenken. Übermorgen, am Samstag, ist die Beerdigung meiner Oma. Ich muss erst einmal auf andere, schöne Gedanken kommen. Als ich Jeany in den Stall bringe, kommen meine Freunde um die Ecke. Ich erzähle ihnen meine Mutter hätte gewollt, dass ich heute koche. Also mache ich mich auf den Weg in die Küche, um zu kochen.
„Lena,“ ich drehe mich um und sehe Mason „André musste noch zum Basketball Trainung und Laura ist zum Klavierunterricht. Ich kann dir helfen, also ich meine ja nur, wenn du Hilfe brauchst.“
„Ich bestelle einfach Pizza. Willst du auch eine?“
„Wir könnten auch Pizza selber machen.“
„Ne. Ich wollte noch joggen gehen. Und gleich habe ich Tanzunterricht. Musst du nicht zum Surftraining?“
„Nein, das fällt heute aus. Ich dachte, du gehst nicht zum Tanzunterricht, wegen deinem Handgelenk.“
„Stimmt, aber heute ist nur die Kostümprobe, deswegen kann ich dahin gehen.“
„Achso. Wenn du willst, könnten wir statt joggen gehen ausreiten, ich weiß, das darfst du eigentlich auch nicht, aber wir könnten heimlich ausreiten, haben wir doch letztens auch gemacht.“
„Mason, meine Mutter hat mir nicht gesagt, dass ich kochen soll. Ich wollte einfach nur eine Ausrede haben, warum ich etwas alleine sein kann. Naja, jetzt bist du hier, jetzt können wir meinetwegen auch ausreiten. Ach, und wenn du heute Abend mit essen willst, kannst du das gerne machen.“ Ich finde es irgendwie nett von Mason, dass er sich Zeit nimmt, und dass er heute kein Training hat, weiß ich, dass das gelogen ist, denn der Freund von meinem Bruder ist im gleichen Surfkurs und er musste eben gehen.
„Gut, was machen wir? Reiten oder joggen? Wie lange dauert die Kostümprobe?“
„Die Kostümprobe dauert voraussichtlich eine Stunde. Wenn du willst kannst du mitkommen. Also wir könnten auch putzen, ich meine die Box ausmisten.“
„Meinst du, du schaffst das mit deiner Hand?“ Oh, daran hatte ich gar nicht gedacht.
„Hast recht, lass uns einen Ausritt machen und Winnetou und Rantanplan mitnehmen.“
„Soll ich Jeany für dich satteln oder schaffst du das?“
„Ich habe das seit dem Sturz schon so oft gemacht, das schaffe ich. Trotzdem danke.“
„Ich hole mal Dusty vom Paddog. Dann kannst du schon einmal die Hunde holen.“
„Ok. Ich bin gleich wieder da.“ Die Hunde liegen wie gewöhnlich auf dem Sofa. Ich brauche nur einmal zu rufen, und schon sind sie da. Als ich in den Stall zurück komme, sind beide Pferde gesattelt.
„Oh, du bist ja ein Rekord Sattler. Wie hast du das denn geschafft?“
„So etwas lernt man halt, wenn man ungeduldige Freunde hat.“ Das Zwinkern ist mir nicht entgangen.