Skaaa 3

Posted by: Anna Reimer in Allgemein, Geschichten, Skaaa Add comments

AAAAAAHHHHHHHH“ ich schreie laut, womit ich mich selber aus dem Schlaf reiße, drei Sekunden später ist eine Schwester neben meinem Bett:“Was ist los?“ fragt sie besorgt. Sie sieht nett aus. „Wo bin ich?“ ich hoffe so sehr sie beantwortet es mir.

Also, eigentlich darf ich das nicht… aber, ach, komm“ sie schließt die Tür „Dein Freund hat dich hier hergebracht, weil du an irgendwas sehr stark gelitten hast. Wie sich herausgestellt hat könnte es mit deinem Unterbewusstsein und mit Stress zu tun haben, es könnte aber ebenso Schizophrenie sein.“ Mir wird schwindelig, wenn es so ist wie sie sagt, was war dann echt und was nicht? Hat Jayden mich wirklich geküsst? Ich fasse mir an die Lippen und auf einmal ist eine vollkommene Leere in mir. Vielleicht empfinde nur ich etwas für ihn und er war die ganze Zeit vernünftig und nur befreundet mit mir. In diesem Moment würde ich mir am liebsten ein Messer holen und es in mein Herz stechen, damit es mich nicht die gesamte Zeit an Jayden erinnert. Doch gerade steht die Schwester noch im Raum:“Heute um acht ist ein Treffen mit Dr. McTraffor, sein Büro ist im selben Gang wie dein Zimmer“ mit leisen Schritten verschwindet sie. Und in mir bleibt nur der sehnliche Wunsch, von Jayden geküsst worden zu sein. Wie viel Uhr ist es? Sieben. Ich sollte mich wohl duschen und anziehen um Dr. McTraffor zu begegnen und mehr zu erfahren. Ich stehe auf, zu schnell, denn mir wird wieder ein wenig schwindelig. Ich stolziere unter die Dusche, die ich nach kurzem Suchen gefunden habe und fange an mir meine sorgen weg zu shampoonieren. Ich werde jetzt erst mal mit dem Doktor reden, dann irgendwann mit Jayden und wenn alle bemerken, dass sie sich vertan haben und es mir blendend geht, werde ich nach Hause gehen. Ich würde mir die Lüge zu gerne glauben, aber ich würde ja wohl wissen, wenn es mir blendend gehen würde. Im Moment eher das Gegenteil, ich bin verwirrt,m weiß nicht was wahr und was nicht ist und ich weiß immer noch nicht warum ich mir wünsche von Jayden geküsst worden zu sein. Er ist bestimmt garnicht interessiert an einer Beziehung mit mir. Ich steige aus der Dusche, trockne mich ab, werfe mich in Jeans und t-shirt, hier, wo auch immer ich bin, wird mich sowieso niemand wichtiges sehen.

Ich klopfe dreimal an die Tür. Ein Mann mit Bart öffnet:“Ska Lancester?“

Ja, das bin wohl ich“ entgegne ich lustlos.

Er bedeutet mir mit einer Geste, einzutreten. Ich setzte mich auf einen der beiden Stühle, er setzt sich hinter den großen Schreibtisch. An der Wand sind Bilder mit Sprüchen die ich ziemlich dämlich finde, so welche dummen Aufmunterungen und Motivationen. Er schiebt mir ein Papier rüber:“Hier ist dein Tagesplan, da steht drauf, wann du wo hin musst und so was“ ich beäuge den Zettel, am liebsten würde ich ihn zerknüllen und in den Mülleimer unter den Schreibtisch werfen. „Ich gebe dir erst mal JB-Pillen, die machen bessere Laune. Aber nur nehmen, wenn es wirklich schlimm wird, denn du bekommst nur eine Pille pro Tag. Wir haben deine Eltern kontaktiert und sie werden voraussichtlich morgen hier sein um alles zu besprechen. Außerdem wirst du zu einer Selbsthilfegruppe gehen, zum Sport und zur Therapie. Ich verspreche dir, im null Komma nichts, geht es dir wieder gut! Außerdem habe ich Sheleen beauftragt dich herum zu führen, sie wohnt im Zimmer neben deinem, um zehn Uhr wird sie dir alles zeigen“ höflich bedanke ich mich beim Doktor, mache dann aber möglichst schnell einen Abgang, weil ich mir vor komme wie ein Alkoholabhängiger oder eine Depressive oder sonst was. Ich geh in mein Zimmer, leg mich auf mein Bett und gucke auf meinen Terminplan: Heute Sport und sonst nichts. Frühstück um neun, dann muss ich gleich los!

Im Essenssaal weiß ich nicht wo ich mich hin setzten soll, einerseits wünscht sich mein kompletter Körper alleine zu essen und nachzudenken, doch mein soziologen-Hirn befielt mir, mich irgendwo dazu zu setzten und Kontakte zu knüpfen. Schließlich setzte ich mich an einen Tisch, an dem ein paar Mädchen, ungefähr in meinem Alter, sitzen. „Ist hier noch frei?“ frage ich gespielt freundlich.

Ja, klar“ entgegnet eine schwarzhaarige, anscheinend sind hier mehrere sowelche Stimmungsbomben wie ich, ich glaube ich bin im Vergleich zu manchen anderen hier, noch ziemlich gut dran, auch wenn es mir nicht so vorkommt. Ich hole mir Essen vom Buffet und setzte mich auf meinen Platz, beim Essen höre ich den anderen Mädchen ein wenig zu:“Und, wie war deine Therapie?“ fragt die eine.

Ganz gut, er checkt immer noch nicht das ich mich ihm nicht öffnen will“ meint eine andere. Sie führen ziemlich langeweilige Gespräche. Ich will einfach nur zu Jayden, mich in seinen Armen in Sicherheit wiegen lassen und glücklich sein. Ich will Gefühle haben, ich will traurig, fröhlich, glücklich, panisch und aufgeregt sein! Ich will nicht wie ein Roboter am Tisch sitzen und über Therapien reden! Ich hab kein Appetit, esse nur ein halbes Brötchen und renne rauf auf mein Zimmer. Halb Zehn. Ich weiß was ich brauche! Ich brauche ein wirklich trauriges Buch! Ich drücke den Knopf an der Wand mit dem man die Schwester kommen lässt, jaja, nennt mich faul, aber das ist einfach sehr praktisch. Die nette Schwester von heute früh steht vor mir:“Jaa?“

Könntest du mir ein trauriges Buch geben? Ich brauche es echt dringend!“

Ich denke, da wird sich was machen lassen!“ sie verschwindet aus dem Raum. Ich warte darauf, das sie wieder kommt, langsam bezweifle ich, das sie vor dem Mittagessen noch kommt, doch um fünf vor zehn klopft es an der Tür und sie hält triumphierend ein Buch in die Höhe. „Danke!“ sage ich diesmal aus vollem Herzen „Ich werde jetzt herum geführt“ mit diesen Worten lege ich das Buch auf meinen Nachtschrank und verlasse das Zimmer. Vor der Tür treffe ich auf ein Mädchen mit langen braunen Haaren:“Hey, bist du Ska?“ begrüßt sie mich freudig, anscheinend ist sie nicht vom ich hab keine Gefühle-Virus infiziert. „Ja! Und du musst Sheleen sein?“

Ja, genau, aber nenn mich ruhig Shel!“ sie gefällt mir.

So wie die Tankstelle?“

Ja, genau!“ sie strahlt über das ganze Gesicht.

Warum so happy?“ frage ich nach, weil es mich wirklich interessiert.

Naja, ich bin über meine Depressionen hinweg“ sagt sie mit einem breitem Lächeln. Ich kann das verstehen, sie hat ihr Eltern jetzt wohl schon lange nicht mehr regelmäßig gesehen und ich gönne es ihr total, das sie ihre Depressionen überwunden hat!

Cool! Führst du mich ein bisschen rum?“

Ja, dafür wurde ich ja beauftragt“ sie zwinkert. Es fühlt sich an, als ob sie mit jedem zwinkern und Lächeln ein bisschen mehr Farbe in mein Leben gibt. Shel zeigt mir den Gemeintschaftsraum, einen kleinen Futterautomaten, den Kinoraum, den Computerraum und zum Schluss schleicht sie sich noch mit mir nach draußen und zeigt mir die große Wiese vor dem kahl wirkendem Gebäude.“Siehst du die Leiter die die Wand entlang führt?“ fragt sie mich mit großen Augen.

Ja, klaro“

Sie ist zwar eigentlich eine Notfall Leiter, für den Fall das es brennt, aber wir sagen hier, das ist die Leiter der treuen Freunde. Sie besuchen ihre Freunde, obwohl sie in der Psychatrie sind und klettern sogar so ne Leiter für sie hoch“ Psychatrie ist ein echt hartes Wort.

Hattest du so jemanden?“ frage ich interessiert.

Nein… Schätzte nicht…“

Das Mittagessesn in einer Psychatrie ist nicht so schlimm wie ich dachte, der Ort an dem man isst ist schlimm, aber das Essen an sich nicht. Heute gibt es Pizza und ich betrete den trostlosen Esssaal mit großem Hunger, sofort stürze ich mich auf das nächst größte Stück und verziehe mich auf dem Platz, auf dem heute morgen auch schon saß. Die Mädchen die heute morgen über Therapien geredet haben, reden jetzt über Beauty Tipps, sie haben wohl noch nicht begriffen, das sie hier kein Arsch sieht. Es bohrt sich ein Blick in meine Wange, so das ich die Beführchtung habe, gleich nur noch eine zu haben. Um nicht komplett dumm auszusehen, drehe ich mich nicht in alle Richtungen um, um zu sehen wer es ist. Ich halte stand und esse bloß weiter meine Pizza. In dem Moment, in dem meine Wange droht weggeätzt zu werden, hebe ich den Blick und schaue in dunkel braune Augen. Sie sitzen an der anderen Seite des Saals und blicken mich unverholen an. Warum starrt er mich so an? Aus Unbehagen futtere ich meine Pizza schnell auf und will aus dem Saal gehen: „Du hast also bei den Beautys gesessen“

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