Skaaa 4

Posted by: Anna Reimer in Allgemein, Geschichten, Skaaa Add comments

Das Mittagessesn in einer Psychatrie ist nicht so schlimm wie ich dachte, der Ort an dem man isst ist schlimm, aber das Essen an sich nicht. Heute gibt es Pizza und ich betrete den trostlosen Esssaal mit großem Hunger, sofort stürze ich mich auf das nächst größte Stück und verziehe mich auf dem Platz, auf dem heute morgen auch schon saß. Die Mädchen die heute morgen über Therapien geredet haben, reden jetzt über Beauty Tipps, sie haben wohl noch nicht begriffen, das sie hier kein Arsch sieht. Es bohrt sich ein Blick in meine Wange, so das ich die Beführchtung habe, gleich nur noch eine zu haben. Um nicht komplett dumm auszusehen, drehe ich mich nicht in alle Richtungen um, um zu sehen wer es ist. Ich halte stand und esse bloß weiter meine Pizza. In dem Moment, in dem meine Wange droht weggeätzt zu werden, hebe ich den Blick und schaue in dunkel braune Augen. Sie sitzen an der anderen Seite des Saals und blicken mich unverholen an. Warum starrt er mich so an? Aus Unbehagen futtere ich meine Pizza schnell auf und will aus dem Saal gehen: „Du hast also bei den Beautys gesessen“ verdattert drehe ich mich um, kann mir aber schon denken wer hinter mir steht, wie zur Bestätigung gucke ich in dunkel braune Augen:“Was willst du?“ frage ich ihn genervt, er antwortet gespielt schüchtern:“Nun ja, du bist neu und.. du siehst aus als hättest du noch ein paar mehr Gefühle als der Rest von uns.“ das schmeichelt mir.

Ich bin Ska, und du?“ höre ich mich sagen, wie ein Kleinkind.

Ich bin Ben“ Ich glaube er hat mehr als 32 Zähne und auch mehr als drei Gefühle im Brustkorb. Ich will jetzt etwas erleben. Mit diesem Gedanken hole ich meine einzigste JB-Pille, die Dr McTraffor mir gegeben hat, aus einem kleinen Döschen, sage“Hm…ja Ben… ok“dabei schlucke ich sie ohne groß nachzudenken. Ich hoffe so sehr, sie wird mich gefühlsvoller machen!

Kommst du mit auf mein Zimmer?“ Wow! Da ist aber jemand voreilig! Ich bejae und wir gehen in den Gang, in dem auch ich untergebracht bin. Ich schätze mal alle jugendlichen sind in diesem Gang. Heute abend werde ich endlich das Buch lesen dürfen, freue ich mich insgeheim, während er mir sein Zimmer stolz präsentiert. Er hat es wirklich häuslich eingerichtet, am Rand steht sein Bett, er hat seine eigene Bettwäsche, daneben der kleine Nachtschrank, wie er auch bei mir ist, neben dem Nachtschrank hat Ben einen weißen Ikea Tisch hingestellt, auf dem die ganzen Blumen von den Verwandten stehen. „Nirvana?“ sage ich als mein Blick an einem sehr blauem Poster hängen bleibt. Jetzt schaut er ebenfalls zum Bildchen an der Wand:“ Ich und mein Vater haben früher immer zusammen Nirvana gehört…. Halt bevor… „ er guckt mich zweifelnd an „..ich in dieser Irrenanstalt gelandet bin“ endlich ist sein Grinsen wieder da. „Wie viel Uhr ist es?“ frage ich ihn erschöpft. Bis jetzt hat die JB-Pille noch nichts gebracht.

Kurz vor vier“ entgegnet er mit einem Blick auf seinen Wecker, der auf seinem Nachtschrank steht und mir jetzt erst auffällt. Vielleicht ist es das Gefühl niemand zu sein, denn plötzlich renne ich aus dem Zimmer und gehe in meins. Ich schließe die Tür und schreie, bis meine Stimme weg ist. Es fühlt sich gut an, doch dieses ekelhafte Gefühl, niemand zu sein, nichts machen zu können, nichts gemacht zu haben, zerstört mich. Es ist als ob ich mich selbst zerfleischen würde, weil ich hier bin und nicht irgendwo mit meinen Freunden. Ich habe mich geeirt. Ich muss keine Verbotenen Sachen machen um jemand zu sein, oder um gelebt zu haben. Ich muss wissen wer ich bin, was ich will, dann werde ich gelebt haben, egal wie. Doch ganz wichtig ist: Ich will geliebt werden. Nicht so etwas, das aufhört, wenn ich meine Hülle ablege und zeige wer ich wirklich bin, nein, ich will etwas, das erst damit anfängt, dass ich mich aus meiner Schale befreie. Ich will Jayden, weil ich weiß, er ist jemand der auch schwache Seiten liebt, manchmal sogar mehr als starke,. Ich will ihn, weil ich ihn liebe. Aber warum sollte er sich mit einem Psychischem Wrack abgeben, wie mir? Oder, ist das meine schwache Seite? Wird er sie lieben? Wird er alle verschiedenen Skas sein Herz schenken? Und, würden sie es nicht zerreißen? Ich kann niemanden lieben, geschweige denn mein Herz schenken, wenn ich nicht weiß wer ich bin. Erst mal werde ich mich kennen lernen.

Ich liege mit dem Buch von der Krankenschwester in der Hand auf meinem Bett, an der Wand neben mir habe ich auf geschrieben was ich über mich weiß, viel mehr als äußerliches ist dort nicht raus gekommen:

  • rote Haare

  • blaue Augen

  • verliebt ohne Seele

  • lieber traurig als Gefühlslos

  • Nirvana

  • Bücher

Das sind die Dinge, die mir eingefallen sind. Ich hoffe doch sehr, es wird noch mehr folgen! Ich lese intensiv. Es ist ein tolles Buch, es bringt mir meine Gefühle Stückchen für Stückchen wieder. Es handelt um ein Mädchen, das alles verliert, als erstes ihre Schwester, dann ihre Mutter und dann auch noch ihren Vater, sie beschreibt dies alles mit den Worten: Die meißten Menschen haben nur ein Leben, ich hab mehr. Ich bin die einzige aus unserer Familie die die Krankheitswelle überlebt hat und jetzt trage ich vier Leben in mir. Ich bewundere sie so sehr. Sie gibt nicht auf, sie glaubt an einen Sinn, an ein Ende der Katastrophe. Doch ich stelle mir die Frage, was ist wenn das Ende bloß der Anfang ist? Der Autor von diesem Buch beschreibt die Gefühllosigkeit, die verlorenheit und vor allem den Wunsch zum sterben so, als würde er selbst das Mädchen sein. Als wäre er ihre Seele. Vielleicht ist es ihr Vater, der sein Leben in ihrem Körper weiterlebt. Es klopft.

Ja?“ bestimmt nur eine Krankenschwester, ich wische mir die Tränen auf und führe fort:

Herein“ das Buch fällt mir aus der Hand, als ich sehe, wer der in der Tür steht. Ich springe förmlich aus dem Bett und umarme ihn:“Ich…“

Schon okay, Schätzchen“ beruhigt mich mein Vater. Nun schiebt sich auch Mama in mein Zimmer.

Mama!“ sage ich und zerdrücke sie fast. Etwas in mir wird befreit, das erste Stück Schale ist abgefallen. „Was machst du nur?“ der saure Unterton entgeht mir nicht. Ich liebe meine Eltern.

  • Liebe meine Eltern

Dieses Listen schreiben erinnert mich daran, wie es vor der Tour war, beruhigendund beängstigend zugleich.

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