Es ist so unglaublich. Hatte ich jemals Zweifel gehabt, so sind die spätestens jetzt verflogen.

Mason musste eben los, aber ich glaube, ich mache ihm eine kleine Überraschung und warte in seinem Zimmer auf ihn. Um viertel vor sechs mache ich mich auf den Weg und fahre zu ihm nach Hause. Dass keiner da ist, habe ich mit ein berechnet. Ich nehme mir den Schlüssel unter der Fußmatte, und schließe die Tür auf. Dann schließe ich die Tür hinter mir und gehe runter, in Masons Zimmer. Ich setzte mich auf den Schreibtischstuhl und gucke ein paar Zeichnungen durch. Manche davon, haben wir in der Kunstschule zusammen gemacht. Mir fällt ein kleines Notsitzzettelchen in die Hände. Als ich es mir ansehe, sehe ich mein Spiegelbild darin. Ich drehe es um und sehe, dass es die Aufschrift: Lena <3 hat. Oh, wie süß, dass muss ja noch vor heute morgen oder gestern Abend gewesen sein, aber auch diese Frage wird mit einem Datum beantwortet. Er hat das Bild vor vier Tagen gemalt. Schnell stecke das Zettelchen in meine Hosentasche, nehme den Schlüssel, schließe ab, lege den Schlüssel zurück und gehe nach Hause. Um sieben Uhr kommt Mason. Laura wollte in einer halben Stunde nach kommen und André trainiert gerade in der neuen Reithalle. Er kommt auf mich zu und umarmt mich. Er hält mich ganz fest. Das gibt mir ein Gefühl, der Sicherheit. Ich werde garantiert nicht als erste loslassen. Das denkt er gerade vermutlich auch denn wir stehen zehn Minuten lang eng umschlungen da. Dann küsst er mich und lässt mich leicht los.

Wir müssen noch Trainieren. Okay, du nicht, denn du nimmst ja gar nicht am Turnier teil.“

Können wir nicht ausreiten? Ich würde gerne zum See.“

Gut, aber ich muss eine halbe Stunde trainieren, dann können wir meinetwegen zum See, oder noch weiter.“

Okay. Ich warte hier. Ich muss noch Sachen für morgen raus suchen.“ Ich versuche zu lächeln, aber ein Klos steckt in meinem Hals, denn jetzt, wo die Beerdigung so nah ist, ist die Trauer noch einmal ganz frisch, wie eine Wunde, die wieder aufgeht.

Mach dir keinen Stress, Okay? Das ist normal.“ Er küsst mich sanft und geht dann aus meinem Zimmer.

Ich setzte mich auf mein Bett und fange an zu weinen, so leise wie möglich, denn ich will nicht, dass gleich alle wieder ankommen, und mich mitleidig ansehen. Ich gehe in meinen Kleiderschrank, und durchsuche meine Sachen. Morgen werde ich etwas schwarzes anziehen. Ich ziehe ein schwarzes Kleid hervor. Es ist fast knie lang und genauso wie das von heute, nur in schwarz. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch in meinem Zimmer und fange an zu zeichnen. Ich male eine Wiese voller Blumen und auf der Wiese sitzen Oma, Mama, Papa, Sebastian und ich. Die Blumen male ich bunt an, doch uns lasse ich schwarz- weiß.

Oh, das sieht wundervoll aus. Ist das für deine Oma?“ Laura. Ich brauche nicht zu sagen, dass sie mich gerade tierisch aufregt.

Mason und André sind unten, und trainieren.“

Gut, dann gehe ich auch mal zu ihnen.“ Na endlich!

Ich zeichne weiter, bis Mason kommt.

Sieh mal, da hast du die Schattierung nicht ganz gemacht.“ Er nimmt sich den Stift und macht sie fertig.

Danke.“ flüstre ich.

Ich stehe auf, doch ein wenig zu schnell, denn jetzt schwanke ich ein wenig hin und her. Fast hätte ich mein Gleichgewicht verloren. Mason fängt mich auf, und setzt trägt mich zu meinem Bett. Vorsichtig setzt er mich darauf ab. Es ist mir unangenehm, dass das passiert ist.

Sorry.“ murmle ich.

Das ist doch nicht deine Schuld, das kann jedem mal passieren.“

Er ist so nett und verständnisvoll. Ich lehne mich an seine Schulter und er legt mir den Arm um. Ich wünschte, Oma hätte das noch erlebt, aber vielleicht tut sie das ja auch. Vielleicht ist sie da oben und beschützt mich Tag für Tag. Morgen werde ich noch einmal ganz persönlich abschied nehmen. Nur so für mich. Tränen steigen mir in die Augen. Die Vorstellung, dass Oma nicht mehr da ist, macht mich kaputt. Bei Opa war ich klein und dachte, dass er immer noch da ist. Vielleicht ist Oma auch noch da.

Mason dreht meinen Kopf zu sich.

Lena, das ist nicht schlimm. Nur wenn es dir schlecht geht, dann rede mit mir oder uns darüber, und halt es nicht in dir, Okay?“

Er wischt eine Träne sanft mit seinem Daumen von meiner Wange.

Okay, ich versuch es, aber wenn ich es dir sage, dann sag es nicht Laura und André, bitte.“
„Versprochen.“

Langsam stehe ich auf.

Lena, ich halte es für keine gute Idee heute reiten zu gehen. Wir könnten Zeichnen, oder Jeany Zöpfe flechten.“

„Wie spät ist es?“

„Acht Uhr.“ Ich glaube, ich sollte mich in Richtung Bett bewegen, denn ich muss morgen früh aufstehen.

„Kannst du heute bei uns bleiben? Ich will nicht morgen alleine aufwachen, und mir den Kopf über die Beerdigung zerbrechen.“

„Klar, ich sage meiner Mutter eben beschied, die versteht das sicher.“ Nach dem Telefonat, holt Mason seine Sachen für morgen und zum übernachten. Um halb neun gehe ich ins Bett. Mason legt sich neben mich. Ich bin super müde. Ich kuschel mich bei Mason ein, und schlafe sofort ein. Es ist eine Unruhige Nacht, denn ich werde viele male von Albträumen geplagt. Ich träume, dass meine Oma da ist und dann der Tod sie holt.

Ich wache auf, sitze senkrecht im Bett, bekomme kaum Luft mehr und fange an zu weinen. Ich schleiche mich ins Badezimmer, um mir das Gesicht zu waschen. Mason ist nun auch aufgewacht. Er kommt zu mir herüber und nimmt mich in den Arm.

„Was ist los?“

„Der Tod hat meine Oma abgeholt, es war so schrecklich.“ und wieder fange ich an zu weinen.

Er führt mich wieder zum Bett, wo ich mich langsam hinlege. Es ist zehn vor fünf und ich kann nicht mehr schlafen. Mason nimmt mich in den Arm und versucht mich zu beruhigen, aber die Bilder aus meinem Traum sind so schrecklich, dass ich bestimmt nicht mehr schlafen kann.

Um acht Uhr wache ich auf. Ich bin doch noch eingeschlafen. Ich wecke Mason.

„He, aufwachen. In einer Stunde ist die Beerdigung. Na los. Es gibt gleich Frühstück.“

„Hmmm.“ ist das einzige, was er zu Stande bringt. Ich ziehe das schwarze Spitzenkleid an und meine Haare lasse ich offen, die kann ich prima als Sichtschutz vor den Blicken anderer verwenden. Um viertel nach acht bin ich fertig. Schminke lasse ich weg. Die würde nur verlaufen. Und außerdem ist das komisch zu einer Beerdigung sich zu schminken.

Ich gehe nach unten und mache Frühstück. Als ich in mein Zimmer komme, ist Mason schon fertig und putzt sich noch schnell die Zähne. Alle sind still am Frühstückstisch. Ich glaube, dass Mama auch schlecht geschlafen hat, denn ich habe heute Nacht jemanden schreien hören. Nach dem Frühstück quetschen wir uns zu fünft ins Auto. Wir haben noch ein größeres, aber das ist zur Zeit in der Werkstatt. Wir sind die ersten auf dem Friedhof. Mama hat in den letzten Tagen viel Aufwand betrieben, damit es in dieser Halle, von der ich nicht die Bezeichnung weiß, gut aussieht Wie immer, setzten sich die nahen angehörigen in die erst Reihe. Am Anfang der Reihe sitzt Mama, dann Papa, dann Sebastian, Mason und ich. Es kommen viele Leute. Mamas Geschwister sitzen in der Reihe hinter uns. Um halb zehn beten wir. Zuhause beten wir nie. Eigentlich sind wir nicht gläubig, obwohl wir alle Katholisch sind. Nachher bringen wir Oma ins Grab. Ich habe die Zeichnung von gestern dabei, und werfe sie mit den Blumen zusammen hinein. Es ist schrecklich Mama weint, Papa spricht nicht, er tröstet sie nicht einmal. Sebastian und ich weinen auch. Sebastian sieht nach unten, deswegen sieht man sein Gesicht kaum. Ich versuche die Haare so in mein Gesicht zu ziehen, dass man meine Tränen auch nicht sieht. Mason hat den Arm um mich, und mittlerweile, sind Laura und André auch da. Sie Laufen neben mir. Gleich gehen wir Kuchen essen. Wie kann man nach so etwas auch nur ein Stück runter bekommen? Als die Kuchenrunde zu Ende ist, kommen alle mit ihrer Beileidsbekundung. Ich gebe mir Mühe nicht zu weinen, aber als Omas Zwillingsschwester kommt, falle ich ihr um den Hals und weine. Sie sieht genauso aus wie Oma. Selbst die Frisur ist gleich. Sie weint ebenfalls. Nach der Kaffeerunde, gehen wir nach hause. Alle machen etwas alleine, nur meine Freunde sitzen wieder da.

„Lasst uns ausreiten. Das tut bestimmt gut.“ Schlage ich vor, bevor wir den ganzen Tag hier so nichts machend herum hocken.

„Okay, ich und Mason satteln die Pferde, während ihr in die Küche geht, Proviant vorbereitet und die Zelte holt. Wir machen heute den Campingausflug, den wir schon vor ein paar Wochen machen wollten.“ Sagt André zu meiner Idee.

„Ja, das ist eine super Idee. Also Lena, komm lass uns die Sachen vorbereiten.“ Sagt Laura begeistert.

„Ich muss noch Mama fragen.“ Sage ich, denn ich will nicht, dass ich gehe, wenn sie mich brauchen. Ich will sicher sein, dass sie mich nicht brauchen.

„Gut, dann komm.“ Laura geht ins Haus, aber ich stehe da noch und starre auf den Boden. Komisch, da ist ein Stein, der nicht richtig liegt, und damit die nachfolgenden auch nicht.

„Na los, Lena.“ Sagt André.

Ich gehe ins Haus und von dort auf die Terrasse. Dort sitzt Mama.

„Mama, darf ich heute mit meinen Freunden den Campingausflug machen?“

„Ja, lenk dich etwas ab, sei aber vorsichtig, du weißt ja, was dabei raus kam, als du Black Rose suchen gegangen bist.“

„Okay Mama, versprochen und ich habe ja auch noch meine Freunde, du kannst mir glauben, die lassen mich eh keine Sekunde allein.“

„Stimmt, ich finde es wichtig aufeinander acht zu geben.“ Ich hatte gar nicht bemerkt, dass Laura auch da ist.

„Oh ja, und soviel ich mitbekomme, bist du immer da.“ Sagt meine Mutter und Lacht. Es ist das herzhafteste Lachen, seit Tagen. Sie kommt mit in die Küche und macht uns Brote, während wir für jeden zwei Zweiliter-Flaschen einpacken. Ich hole das sechs Personen-Zelt aus dem Keller und vier Isomatten, vier Schlafsäcke, ein Kulturtäschchen und mein lieblings- Kissen. Ich gehe in den fünf Boxen-Stall und lege die Sachen auf den Boden. Natürlich lege ich mein Kissen erst einmal auf den Boden. Aus der Sattelkammer hole ich meinen Westernsattel. Ich hole meine Satteltaschen aus meinem Spind, bringe sie am Sattel an und mache Jeany Zöpfe in die Mähne. Ich fülle die Taschen mit zwei Broten, meinen zwei Wasserflaschen, meiner Isomatte, meiner Kulturtasche und meinem Kissen. Da jeder Taschen hat, brauche ich nichts von den Anderen zu nehmen,doch jetzt ist die Frage, wer nimmt das Zelt? André bietet an das Zelt zu nehmen, wenn jemand seine Isomatte nimmt, und den Schlafsack.

„Ich kann die Isomatte nehmen. Laura, kannst du noch den Schlafsack nehmen?“ Biete ich an.

„Klar kann ich.“ Antwortet sie.

Wir währen fast los geritten, da fällt mir ein, dass ich mein Halfter nicht mitgenommen habe. Ich hole mein Halfter und den Strick. Und noch die Decke. Ich hoffe, ich habe alles.

Wir reiten los. Erst zwischen den Feldern entlang, wo uns die Bremsen plagen, und dann in den Wald. Wir reiten, bis es fast dunkel wird, es aber noch hell genug ist, unser Zelt aufzuschlagen. Ich nehme das Halfter in die Hand, streife Jeany’s Trense ab und mache das Halfter dran. Die Trense hänge ich an den Baum. Und wir haben Glück, denn die Bäume in der Umgebung, sind so verzweigt, dass es sogar möglich ist, die Zweige als Sattelhalterung zu nutzen. Als ich Jeany’s Sattel ab mache, lege ich ihn auf den Zweig. Ich hole die Decke und lege sie auf Jeany’s Rücken. Das Zelt ist schon aufgebaut und wir bringen die Pferde zum Bach, damit sie trinken können. Nachher binden wir die Pferde an einen Baum, und gehen ins Zelt. Im Zelt gibt es zwei Kabinen. Laura und ich gehen in die Kabine rechts, und Mason und André links.

 

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