Dienstag Morgen. Ich stehe völlig verschlafen auf. Ich bin müde. War eh relativ spät gestern Abend. Ich ziehe mir ein Top und eine Strickjacke an. Ne, das sieht dumm aus. Ich ziehe mir ein T- Shirt an. Zu weit. Ein anderes. Zu eng. Ich ziehe einen Pulli an. Zu dick. Ich brauche ein Kleid. In der Schule? Niemals. Nein, das geht nicht. Ich nehme mir ein blaues Top mit weißen Punkten und unterm Ausschnitt rote Knöpfe. Ich sehe in den Spiegel. Mit einer schwarzen Hose, und den roten Schuhen, sieht das bestimmt gut aus. Ich ziehe mir noch eine dünne Jacke über, nehme meine Tasche und gehe essen. Nach dem essen ist es noch zehn vor sieben. Perfekt. Ich gehe hoch, in mein Zimmer, und von dort aus ins Badezimmer. Und raus damit. Erleichterung steigt in mir auf. Ich gehe wieder runter und dann in die Einfahrt. Obwohl es erst zwei Minuten nach sieben ist, warten Mason und André schon auf mich. Wir gehen still schweigend vor uns hin, zur Schule. Jeder geht in seine Klasse, an seinen Platz. Na super, jetzt sitzt sie auch noch neben mir. Ich nehme mein Matheheft heraus und blätter darin herum.
„Hast du heute Zeit?“, fragt Melis.
„Nein, ich muss heute noch zur Kunstschule.“, sage ich und wende mich ab.
„Ach so, Okay.“, sagt sie, und ich weiß, dass sie sich mit irgend wen anderes treffen wird.
Der Matheunterricht vergeht quälend langsam. Ich habe das Gefühl, Frau Wolf erzählt alles doppelt und dreifach. Als die Schule endlich vorbei ist, treffen wir uns, wie gewohnt vor dem Eingang. Mason und ich gehen zu mir nach Hause und anschließend zur Kunstschule. André und Melis wollten auch noch irgendwo hin. Ich sage doch, sie wird jemanden anderes finden. Zuhause mache ich etwas zu essen. Salat und Nudeln, die meine Mutter gemacht hat und für uns da hin gestellt hat. Ich mache sie warm. Was soll ich tun? Essen? Klar, aber dann schnell zur Toilette! Ich gebe mir eine kleine, sehr kleine Portion Salat auf meinen Teller uns stochere darin herum. Ich habe keinen Hunger.
„Was hast du?“, fragt Mason.
„Besser ist, was habe ich nicht. Hunger.“, erwidre ich leicht gereizt. Er merkt es zum Glück nicht.
Ich esse genau drei Salatblätter, fünf Tomatenstücke und ein kleines Stück Gurke. Zu viel. Ich sage, dass ich meinen Zeichenblock hole und gehe in mein Bad. Raus damit!
In der Kunstschule geht es mir schon besser, bis Hannah Schokolade verteilt, weil sie Geburtstag hatte. Ich will sie erst annehmen, lehne dann aber doch dankend ab. Mason sieht mich verwirrt an. Was ist? Ich habe eben keinen Hunger.
„Was ist los mit dir?“, fragt er.
„Was soll los sein?“, frage ich.
„Du hast den ganzen Tag schon nichts gegessen.“, sagt Mason.
„Doch. Heute Morgen, in der Schule und eben.“, sage ich. In der Schule habe ich nichts gegessen.
„Du magst doch sonst so gerne Schokolade.“, sagt er.
„Sonst schon, aber nicht heute.“, sage ich und drehe mich weg. Ich erkläre die Diskussion hiermit für beendet.
Nach dem Kunstunterricht, gehe ich einfach.
„Lena warte!“, ruft Mason. Ich bleibe stehen. Ich war so sehr damit beschäftigt zu überlegen, was ich gleich noch an Sport machen werde, dass ich ganz vergessen habe, noch auf Mason zu warten.
„Sei ehrlich zu mir, was ist los?“, fragt er. Was ist mit ihm los? Wieso hängt er sich an etwas, was ihn nichts an geht.
„Ich bin einfach nur müde.“, sage ich.
„Das hast du gestern und vorgestern auch schon gesagt.“, argumentiert er. Na und? Was ist los? Sonst interessiert er sich nie für meine Laune.
„Dann weißt du jetzt, dass ich es nicht sagen will.“, sage ich und gehe.
„Lena!“, ruft er mir nach. „Ich wollte nicht…!“, sagt er und geht in großen Schritten hinter mir her.
„Lass mich doch!“, sage ich genervt. „Ich brauch euch nicht! Ich kann das alleine!“
„Was kannst du? Wovon redest du?“, fragt er irritiert. Mittlerweile hat er mich eingeholt.
„Ich will nicht darüber reden!“, sage ich und renne nach Hause. Jetzt habe ich meinen Sport schon gemacht. Ich setzte mich aufs Bett und lese. Es ist ein Buch, was wir in der Schule lesen.
Mein Handy klingelt. Es ist Mason. Ich gehe nicht dran. Wieso sollte ich? Um noch weitere Diskussionen zu führen? Ich lese das Buch in zwei Stunden komplett durch. Es gibt gleich Abend essen und ich habe großen Hunger. Ich gehe in die Küche und sehe nach, was es ist. Lasagne Bolognese. Eines meiner lieblings- Essen. Ich setze mich an den Tisch und fahre die Strukturen der Holzplatte mit dem Finger nach.
„Sebastian! Es gibt Abendessen. Kommst du bitte?“, ruft Mama nach oben.
„Ich habe keinen Hunger!“, höre ich die Stimme von Sebastian.
„Na gut.“, sagt meine Mutter und bringt das Essen auf den Tisch. Mama kann keine Lasagne kochen. Die Lasagne macht immer Papa. Papa kommt heute etwas später nach Hause. Ich weiß nicht, was er noch machen muss, aber es dauert lange. Ich nehme mir ein Stück Lasagne und verschlinge sie. Lecker. Dann nehme ich mir noch eins. Ich liebe Lasagne einfach! Jetzt bin ich satt. Ich gehe unter dem Vorwand total erschöpft zu sein nach oben, zur Toilette. Jetzt muss meine leckere Lasagne leider wieder raus. Ich bin so müde, dass ich sofort schlafen gehe. Am nächsten Morgen, werde ich von Mama geweckt.
„Lena, es ist schon viertel vor sieben. Wieso bist du noch nicht wach?“, fragt sie.
Ohne eine Antwort zu geben gehe ich an ihr vorbei ins Bad. Ich mache mich fertig und gehe ohne zu frühstücken auf dem Haus. In der Einfahrt steht Mason. Na super! Ich gehe langsam auf ihn zu, in der Hoffnung, dass jetzt André um die Ecke biegt, aber es ist leider nicht so. als er mich sieht, kommt er auf mich zu. Ich würde am liebsten genau jetzt im Erdboden versinken.
„Lena! Was war los gestern?“, fragt er genau das, was ich vermutet habe.
„Ich hatte schlechte Laune, sorry.“, sage ich als Ausrede.
„Das glaube ich dir gerne, aber da war noch etwas.“, bohrt er weiter nach.
„Nein, ehrlich nicht.“, sage ich. Genau im richtigen Moment, kommt André. Wurde auch Zeit. Wir gehen zur Schule, wo uns eine Überraschung erwartet. Die Schule ist geschlossen. Davor warten hunderte von Schülern aus den umliegenden Dörfern. Ich gehe zur Tratschtante,und frage sie, was los ist.
„Es wurden in der Schule Wespennester gefunden. Sieht so aus, als wären die schon eine ganze Zeit da gewesen.“, sagt sie. Ich gehe wieder zurück zu André und Mason und erzähle ihn, was los ist.
„Liebe Schülerinnen und Schüler, aufgrund Wespennester in den Schulräumlichkeiten, muss die Schule leider für zwei bis drei Tage geschlossen bleiben. Wir werden uns sofort um die Wespennester kümmern, um weitere Verzögerungen zu vermeiden. Vielen Dank für euer Verständnis.“ Ich habe gar nicht bemerkt, dass die Schulleiterin aus der schule heraus kam. Innerhalb weniger Minuten löst sich der Schülerschwarm in nichts auf. Wir gehen wieder nach Hause. André und ich werden heute Nachmittag schwimmen gehen, denn wir haben heute zusammen Schwimmtraining. Ich gehe die Einfahrt hinunter, zu unserem Haus.
„Lena, du bist dir sicher, dass es dir gut geht, oder?“, fragt Mason. Er ist mitgekommen und ich habe nichts bemerkt.
„Klar.“,sage ich und hole den Schlüssel auf meiner Tasche, überlege es mir doch noch anders. Ich gehe hinüber zum Stall und hole Black Rose aus ihrer Box. Ich striegle sie und kämme sie. Anschließend flechte ich ihr noch Zöpfe in die Mähne. Dann hole ich Jeany aus der Box und bringe sie auf den Paddog. Ich hole den Sattel aus der Sattelkammer und lege ihn auf Black Rose’s Rücken. Dann trense ich sie auf und will los reiten, aber Mason versperrt mir den Weg.
„Geh zur Seite, ich will ausreiten.“, sage ich genervt.
„Dann wirst du auf mich warten.“, sagt er entschlossen.
„Nein, ich werde alleine ausreiten.“, sage ich noch entschlossener. Ich drehe Black Rose in der Stallgasse um und reite zur anderen Seite raus. Ich galoppiere in den Wald, zu einer Stelle, wo keiner von uns außer Laura und mir schon einmal war. Ich setzte mich auf den Rand der Lichtung und nehme mein Handy aus der Tasche. Ich rufe Laura an.
„Hallo Lena!“, sagt sie erfreut.
„Hallo Laura.“, sage ich auch so erfreut wie möglich.
„Was ist? Geht es dir nicht gut?“, fragt sie besorgt.
„Doch, mir geht es bestens.“, sage ich bemüht. Ich erzähle ihr alles, was passiert ist. Das mit meiner Ernährung lasse ich allerdings aus.
„Bist du eigentlich in André verliebt?“, wage ich zu fragen.
„Ja.“, gesteht sie mir.
Nach gefühlten zwanzig Minuten legen wir auf. Als ich sehe, wie lange wir wirklich telefoniert haben, stockt mir der Atem. Es sind fast zwei Stunden vergangen. Ich stehe auf, steige auf Black Rose’s Rücken und reite nach Hause. Auf dem Weg habe ich genug Zeit, um alles zu überdenken. Es sind noch vier Tage, dann fliegen Mama und Papa nach Neuseeland. Ich würde am liebsten mitkommen, aber das kann ich leider nicht. Stattdessen kommt Tante Chloé und wohnt bei Oma im Anbau. Den Anbau wollen Mama und Papa als Ferienwohnung vermieten. Ich bin schon fast auf dem Hof angekommen, da sehe ich Mason den Feldweg entlang reiten. Ich drehe mich schnell um, bevor er mich entdeckt, doch es ist schon zu spät, also galoppiere ich in den Wald. Ich will nicht mit ihm reden, sondern nach Hause schlafen gehen, denn ich bin schon so müde, obwohl es erst halb vier ist. Ich höre, wie er an mir vorbei reitet und als ich nichts mehr höre, reite ich zurück nach Hause. Black Rose, stelle ich auf den Paddog. Zuhause ist das reine Chaos. Mama packt schon Koffer. Ich gehe schnell hoch, in mein Zimmer und schlafe ein. Irgendwann höre ich ein leises klopfen. Ich tue einfach so, als wäre ich davon nicht wach geworden. Es ist Mama. Ich glaube, sie wollte mich zum essen holen, aber als sie merkt, dass ich schlafe geht sie wieder. Ich wache erst um sechs Uhr auf. Somit habe ich 14 ein halb Stunden geschlafen. Ich gehe zu meinem Schrank und nehme mir eine kurze Sporthose, ein Top und Laufschuhe heraus. Ich werde joggen gehen. Ich gehe leise zur Tür und dann raus. Wir haben Oktober. Es wird schon kalt draußen und schon früher dunkel. In ein paar Tagen, werden sie die Uhren umschalten. Ich jogge zum Strand. Mama und Papa haben einen Strandkorb gekauft, und ich setzte mich hinein. Jeder von uns hat einen Schlüssel. Um sieben Uhr mache ich mich auf den Rückweg und gehe noch an der Bäckerei vorbei. Zuhause bereite ich Frühstück vor Mama wird gerade rechtzeitig wach. Sie hat verschlafen. Ich mache Spiegelei, dann Kaffee für Papa, Tee für Mama und Kakao für mich. Sebastian schläft aus. Er hat donnerstags immer die ersten zwei Stunden frei. Ich habe nur wegen dem Wespennest frei. Mama und Papa müssen um neun Uhr weg und dann sind nur noch der schlafende Sebastian und ich da. Um elf Uhr klingelt es. Ich mache auf. Es ist der Paket Lieferant. Ich nehme das Paket an und sehe nach, an wen es adressiert ist. An mich. Neugierig mach ich das Paket auf. Es ist von Tante Chloé. Versucht sie sich jetzt bei mir ein zu schmeicheln? Ich glaube, dass sie weiß, dass Sebastian und ich sie nicht sonderlich gern haben. Ich sehe nach, was in dem Paket ist. Es sind Bücher. Bücher, die ich schon immer mal lesen wollte. Das ist ja nett. Ich glaube, ich mag sie nur nicht, weil sie sich, als ich zehn Jahre alt war, darüber aufgeregt hat, dass ich meine Hausaufgaben nicht gut gemacht habe. Ich beschließe sie ab jetzt zu mögen. Um halb eins kommt Mama nach Hause. Papa hat noch irgendetwas zu tun. Mama und ich backen. Sebastian ist schon vor ein paar Stunden zur Schule gegangen. Wir backen Muffins. Ich mache die Verzierung. Morgen hat Papa Geburtstag. Ich esse zwei Muffins, damit Mama nicht misstrauisch wird. Ich sage, dass ich das Buch von der schule noch lesen muss,und verschwinde in meinem Zimmer und dann im Bad. Ich habe zwei ein halb Kilo abgenommen. Ich gehe in meinem Zimmer auf und ab. Noch drei Tage, dann sind Mama und Papa in Neuseeland. Ich freue mich schon auf Tante Chloé.