ch werde von Mason geweckt. Es ist gerade mal eine halbe Stunde vergangen.
„Komm Lena, wir müssen los.“, sagt er mit Todernster Miene. Was ist los?
Ich stehe auf und gehe mit ihm die Treppe runter, aber schon nach den ersten paar Stufen, wird mir wieder schwindelig. Den Rest trägt er mich runter. Ich verstehe immer noch nicht, was los ist. Unten setzt er mich ab und zieht mich aus dem Haus. Ich stolpere hinter ihm her und er bringt mich in die Garage. Er schließt das Auto auf und bedeutet mir, dass ich einsteigen soll. Was geht hier vor? Ich steige ein und warte. Er macht die Tür zu und wendet sich an mich.
„Warum hast du mir nichts erzählt?“, fragt er leise. Ich merke, wie wütend und enttäuscht er ist, aber wovon?
„Ich habe keine Ahnung, was du meinst.“,sage ich und sehe ich irritiert an.
„Das was du mir schon seit einiger Zeit verheimlichst.“,sagt er. Weiß er es? Anscheinend schon.
„Ich…ich…“, meine Stimmer versagt.
„Das kannst du dir doch nicht antun. Was fällt dir ein…?“, er sieht auf das geschlossene Garagentor.
„Ich werde es ändern.“, sage ich. Was soll ich den ändern?
„Wir werden zusehen, dass wir das in den Griff bekommen, sonst…du weißt was sonst…“, sagt er. Ja ich weiß, was sonst. Sonst wird er es meinen Eltern sagen und die werden mich in die Klinik einweisen lassen. Ich nicke.
„Was meinst du mit wir?“,wage ich zu fragen.
„Du und ich.“,sagt er. Was hat er vor?
„Hast du es Sebastian erzählt? Und woher weißt du es überhaupt?“,frage ich.
„Ich habe es vermutete, denn immer, wenn du etwas gegessen hast, bist du auf Toilette gegangen. Als ich dann dein…Tagebuch gesehen habe, wo die ganzen Einträge deines Gewichtes stehen, war es mir klar. Und nein, außer mir weiß es niemand. Noch niemand.“, sagt er. Er hat mein Tagebuch gelesen? Was gibt ihm das Recht…!
„Bitte sag es niemanden.“, bettle ich fast.
„Gut, aber nur, wenn wir es schaffen zu ändern.“,sagt er fest entschlossen. Ich nicke. Er lehnt sich zu mir und umarmt mich. Es gibt mir ein Gefühl der Sicherheit. Ich glaube, das nicht ohne Grund, denn wenn er nicht wäre, dann würde ich weiter machen. Ich löse mich aus der Umarmung und sehe ihn an.
„Versprich mir, dass du mir ab jetzt alles erzählst. Okay?“, er sieht mich bittend an.
„Okay, versprochen.“, sage ich.
Irgendwann steigen wir aus dem Auto. Ich glaube, wir saßen da, um sicher zu gehen, dass uns niemand hört. Ich spüre, wie mir jetzt schon nach wenigen Schritten schlecht wird. Ich klammere mich an Mason, als wären um uns herum Spinnen. Im Haus setzte ich mich aufs Sofa. Mason sitzt neben mir. Es ist schon halb sieben. Mason hat seine Mutter angerufen und gefragt, ob es in Ordnung ist, dass er die nächsten zwei Wochen bei uns ist. Jane hat erst gefragt warum, aber als er sagte, dass es mir nicht besonders gut ginge, hat sie eingewilligt.
„Ich mache etwas zu essen.“,sagt Mason und in mir steigt Misstrauen auf. Hat er nicht in Amerika noch gesagt, dass er nicht kochen kann?
„Ich mach es…“, sage ich und gehe in die Küche. Mason folgt mir. Ich mache den Kühlschrank auf und sehe hinein. Es gibt Kopfsalat. Lecker. Ich glaube, ich habe das erste Mal seit Tagen wieder richtig Hunger. Ich nehme Gurken, Tomaten und den Kopfsalat. Ich schneide es klein und mache einen Salat mit Jogurt Dressing. Dann gibt es noch Nudeln, angebraten in Butter. Als wir endlich fertig sind, setzten wir uns an den Tisch und essen. Als ich meinen kleine Portion aufgegessen habe, ist mir übel. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass wenn man Bulimie hatte, man egal, ob man will oder nicht, alles automatisch ausbrechen muss. Vielleicht sollte ich ein wenig Pause machen und einfach nichts essen. Dann müsste sich doch meine Speiseröhre von der Magensäure, die sie geschädigt hat, erholen. Nur wie soll ich das Mason erzählen? Ich werde einfach essen. Vielleicht ist auch das das Beste. Wir räumen ab und gehen in mein Zimmer. Zumindest wollen wir das, aber ich brauche wieder eine Ewigkeit, um da hoch zu kommen. Mason hilft mir, indem er mich auf der einen Seite stützt. Ich gehe Schritt für Schritt und Stufe für Stufe die Treppen hoch. In meinem Zimmer, lasse ich mich erleichtert aufs Bett fallen. Ich schleppe mich ins Bad und will gerade meinen Magen entleeren, da fällt mir wieder Masons und meine Abmachung ein. Ich nehme mir also meine Zahnbürste und entferne die Salatreste aus meiner Zahnspange. Nach einer gefühlten Ewigkeit, bin ich fertig. Nicht nur mit der Tätigkeit, sondern auch mit der Kraft. Ich ziehe meinen Schlafanzug an, packe die Sachen für morgen ein und lege mich erschöpft ins Bett. Ich stehe doch noch einmal auf um Winnetou zu füttern, aber dann bin ich wirklich fertig für heute und darf endlich schlafen gehen. Mason legt sich zu mir und legt den am um mich. Irgendwann schlafe ich ein. Ich träume von Oma. Sie sagt, dass sie enttäuscht von mir ist. Dann stellt sie mir Essen hin. Als ich es esse, bemerke ich, dass es Gift enthält. Ich fahre mit einem leisen Schrei hoch. Nach ein paar Sekunden, bemerke ich, dass das alles nur ein Traum war. Ich sehe auf die Uhr. Zehn nach vier. Ich lege mich wieder hin, aber ich kann nicht einschlafen. Ich stehe leise auf und gehe runter. Ich gehe langsam und mache einige Pausen. Unten mach ich die Rollläden hoch. Ich sehe im Mondlicht, heute ist Vollmond, den Tau, der den Rasen in unserem Garten bedeckt. Ich bleibe noch etwas länger stehen, und gehe dann wieder in mein Zimmer. Ich mache wieder ein paar Pausen, bis ich dann oben in meinem Zimmer angekommen bin. Ich lege mich ins Bett und bin fast auf der Stelle eingeschlafen.