Skaaa 7

Posted by: Anna Reimer in Allgemein, Geschichten, Skaaa Add comments

Scheiße. Das Buch das Jayden mir gekauft hatte heißt Das Vergessen. Auf die erste Seite hatte er geschrieben: Ich werd dich nie vergessen. Eigentlich ist es schön gemeint, doch jetzt kommt es mir vor als ob er meint: Ich werd nie vergessen das du ihn geküsst hast. Und verzeihen auch niemals. Wie auch? Er ist der einzige der wirklich zu mir hält und ich hinter gehe ihn eiskalt! Heute habe ich noch nicht mal ein Kissen an dem ich meinen Gefühlen Ausdruck geben kann. Ich schaue auf mein Handy: vier Mitteilungen.

Ich kann nicht aufhören an dich zu denken!

Ich komm heute Abend und hol dich 😉

Ich kanns kaum erwarten!

Du Biest.

Alle Nachrichten von Jayden. Ich fühle mich echt verdammt biestig. Meine Lippen sind widerlich! Jayden war das einzige das mich noch so richtig beflügelt hat. Und manchmal, wie jetzt, ist es so: Mir geht es so schlecht, dass es mir schon wieder gut geht. Ich lache die kahle Wand an. Plötzlich ist alles gut, es kann nicht schlimmer werden! Was könnte ich noch verlieren? Meine Haare? Wen interessieren Haare, wenn man in einer Psychatrie wohnt?! Wenn ich ein bisschen mehr nachdenken würde, würde es mir jetzt wieder schlecht gehen. Ich würde daran denken, dass ich meine Eltern oder mein Augenlicht verlieren oder gar Gliedmaßen verlieren könnte. Und jetzt habe ich doch daran gedacht. Mir geht es jetzt doch schlecht.

Du schätzt auch wirklich nichts!“

Ich gucke beängstigt in das schwarz vermummte Gesicht.

Mach dich selbst kaputt! Machst doch eh nie etwas anderes!“

Es hatte Recht.

Die Kaputze fällt nach hinten und Es lacht hämisch.Ein Gesicht mit tiefen schwarzen Narben kommt zum Vorschein.

Genau wie deine Mutt…….“ Alles verschwindet.

Ich sitze auf einer Wiese, alles ist wunderschön und ich fühle mich sogar wohl. Doch plötzlich läuft alles voller Blut, dieses Rot, das ich noch nie leiden konnte!

Wir dehnen uns zu Beginn und laufen dann um den Sportplatz. Ich kann gut laufen, und es lenkt mich immer ab, wenn ich laufe, vergesse ich alle meine Sorgen, so ist es bis jetzt immer gewesen. Doch als wir uns zum Schluss im Kreis versammeln, um den Sportkurs für heute zu beenden, ist immer noch dieses Bild vor meinen Augen. Ein Bild, dass ich in irgendeinem Horrorfilm gesehen haben musste: Ein Gesicht mit tiefen schwarzen Narben. Es ist so schrecklich echt, das sich meine Nackenhaare aufstellen.

Ich habe Angst. Morgen ist meine erste Therapie. Beim Mittagessen habe ich mich wieder zu diesen Mädchen gesetzt, bei denen ich am ersten Tag war, denn ich konnte Ben nicht in die Augen sehen. Im ersten Moment war ich sauer auf ihn, er hatte mich schließlich geküsst, doch, am küssen sind immer zwei Personen beteiligt und wäre Jayden nicht gekommen, hätte ich warscheinlich noch weiter geküsst. Jetzt fühle ich mich auch noch gegenüber Ben schlecht, er wusste nicht, dass ich Jayden liebe und ich hätte mit ihm reden, nicht einfach weggehen sollen.

Ich habe nichts mehr was mich auf schöne Gedanken zurückführt. Es waren Ben und Jayden, die mich am Leben hielten. Ohne irgendetwas zu merken, finde ich mich vor Bens Tür wieder, ich werde ihm alles erklären, ihm in seine schönen, treuen Augen gucken und er wird es verstehen, dass versuche ich mir einzureden. Doch ich sehe Bilder von Ben wie er ausrastet und mich hasserfüllt anguckt und weil ich so Angst davor habe, dass sich das in die Realität umsetzt, gehe ich den Gang weiter. Ich klopfe an die Tür. Die nette Schwester macht auf:“Hallo Ska“

eigentlich wollte ich nur nach einem Buch fragen.

Was ist los? Ska?“

Jetzt erst merke ich das ich auf die Knie gefallen bin, ich blicke zu Boden und sehe wie ein dicker Tropfen Tränenwasser auf ihn klatscht. Die Schwester zieht mich zu sich herein, auf ein gemütliches Sofa und macht mir einen Tee. Ich schaue mich um:

Ein Sofa, ein Sesel, weiß-gelbe Wände, Kaffeemaschine, Toilette, daraus besteht der Aufenthaltsraum der Schwestern aus meiner Etage. „Und er hat euch gesehen, also als ihr auch richtig geküsst habt?“ fragt sie, nachdem ich ihr alles erklärt habe.

Ja“ sage ich und nehme dankend den Tee, den sie mir anreicht, an.

Das ist verzwickt“ nachdenklich schiebt sie sich auf den Sessel neben mir.

Wir reden lange und ich fühle mich weniger allein gelasssen, trozdem, immer wieder zwischen durch durchfährt mich ein Gefühl, kalt wie eine Hand auf meiner Schulter bei Nacht, und stechend, wie ein Messerstich ins Herz. Dieses Gefühl, ohne ihn nichts mehr zu wollen, außer sich in ein Zimmer einzuschließen, die Musik aufdrehen, den Text mit singen und weinen. Nach Wahl auch auf dem Boden rum kriechen. Ich weiß nicht wie es dazu kommt, dass sage ich jetzt nicht nur, weil es total ausgedacht klingt, nein, dass sage ich weil ich es selbst nicht glauben kann.

Ska! Ich hab jetzt Schichtende!“

Traurig schaue ich in ihre Schokoladenen Augen.

Also, kein Wort und ab nach unten! Ich warte am Ende der Leiter auf dich“

Sie weiß von der Leiter?!

Guck nicht so, jeder weiß von der Leiter.“

Ich sollte mein Gehirn verschließen!

Ich klettere die Leiter herunter, wobei mir meine tränenden Augen, die Sicht versperren. Die Frage was wir unten angekommen machen, quält mich. Denn ich will nichts machen. Mein Fuß berührt den Boden, und der zweite folgt ihm. Benommen lehne ich mich an die graue Wand, ziehe aus meiner Jeans eine kleine Dose und entnehme ihr eine Pille. Get more Pills.

Ich will nicht mehr, bin kurz davor am Nichts zu explodieren. Die Zeit rennt mir davon.

Die Schwester, die Nicole heißt, tritt aus der Tür, ich will mich schon zu ihr hin bewegen, da sehe ich gerade noch rechtzeitig, die Frau die neben ihr lang geht. Ich drücke mich an die Wand, um ihren Blicken zu entgehen. Die Frau entfernt sich von Nicole und Nicole nähert sich mir:

Hey!“ mit einem breitem Lächeln schaut sie mir ins Gesicht.

Eine halbe Stunde später befinde ich mich in ihrer Wohnung. Ich weiß, eigentlich sollte man nicht mit fremden Leuten mitgehen, aber was sollte ich sonst machen. Sie reicht mir Sachen zum anprobieren an und als wir beide schöne Sachen anhaben gehen wir in die Stadt, setzten uns in ein Kaffee und trinken Kakao.

Ich lache sie an:“Du bist total verrückt!“

Warum sagen das nur alle?!“ gespielt beleidigt zieht sie einen Schmollmund, um kurz darauf los zu prusten. Ihr Lachen ist total ansteckend. Sie lacht nicht wie die meisten anderen ein einfaches Haha. Nicole lacht eine Mischung aus allen Konsonanten, was sich ungefähr anhört als würde man auf einen Elch treten.

AIEUEO“ schließt sie ihren Lachkrampf ab:“Ich weiß nicht. Als ich klein war hatte ich viel zu viele Regeln zu befolgen. Meine Mutter war unnormal streng.“ Es entsteht eine kurze Stille, ich will ihr sagen, dass das Ansichtssache ist, aber dann fährt sie fort:“Also, bevor sie krank wurde. Dann war sie niemand mehr.“

Ich verabschiede mich traurig von Nicole, die mich zurück zur Psychatrie gebracht hatte, ich klettere die Leiter herauf. Ich stoße das Fenster, halb mit Kopf, halb mit Ellenbogen auf und rieche einen süßen Duft. Kyla! Mit vor Freude weit aufgerissenen Augen stürze ich ins Zimmer. Mein Blick durchsucht das Zimmer:“Kyla! Das ist nicht lustig, komm heraus!“ Sage ich immer noch Freudestrahlend, sie muss sich in irgendeinem Schrank verstecken. Erst jetzt sehe ich einen Zettel auf meinem Nachttisch, der von einer kleinen Glasflasche beschwert ist. Ich ziehe ihn enttäuscht unter der Flasche hervor. In ordentlich aufgereiten, großen Buchstaben steht darauf:

Hey!

Ich dachte du hättest nichts besseres zu tun und

würdest in deinem Zimmer herum sitzen, dabei

hätte ich dir gerne Gesellschaft geleistet, aber du

hast dir warscheinlich schon den heißesten Jungen

geangelt und bist bei ihm.

Ich hab dir aber mein Parfum hier gelassen,

bei so einem Date sollte man gut riechen!

XOXO Kyla

Ein Pfeil zeigt auf die Parfumflasche, er ist beschriftet mit: Ein wenig Süßes für die Süße.

Ich hätte sie so gerne gesehen! Aber ihre Schrift bringt mich auch etwas hoch, ich muss nach Hause. Ich muss ihnen zeigen, dass mit mir alles Okay ist. Ich sprühe mich mit ihrem Parfum ein und lege mich ins Bett.

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